Bis auf die Zehenspitzen:

Der Beruf mit Hand & Fuß - Podologen

Füße tragen uns durchs Leben. Im Durchschnitt gehen wir in unserem Leben rund 200 Millionen Schritte. Mit der Fußpflege nehmen es aber viele Menschen leider nicht so genau. Die Beschwerden nehmen zu: jeder vierte Erwachsene leidet unter Fußschmerzen - bei den über 65 -Jährigen ist es jeder zweite. Die Nachfrage nach Podologen nimmt zu. In NRW werden die meisten Podologen ausgebildet.

Fußpflege beginnt auch mit den richtigen Schuhen.

Füße werden ein ganzes Leben lang strapaziert, da sie das gesamte Körpergewicht tragen. Dabei können zahlreiche Probleme auftreten: von Hühneraugen über Plattfüße bis hin zu Wunden, Entzündungen, Infektionen wie Nagelpilz, Fehlstellungen oder Nagelverwuchs. Jeder einzelne Schritt wird dann zur Qual.
 
Das größte Problem sind jedoch Fehlstellungen. Die Ursache: schwaches Bindegewebe und Überbelastung durch zu enge „Schöne Schuhe“ mit hohen Hacken. Das jahrelange Belasten führt dann später „schleichend“ zu Beschwerden. 

Frauen sind vom „Cinderella-Schuh-Syndrom“ betroffen

Fußbeschwerden durch Fehlstellungen sind aber immer noch ein Tabuthema. Erst wenn die Schmerzen akut oder unerträglich werden, wird darüber geredet. Gerade junge Menschen, besonders junge Frauen, ignorieren das Problem. Faste jede fünfte Frau im Erwachsenenalter hat deformierte Füße und leidet unter Schmerzen.

Dabei sollte besonders in jungen Jahren auf die Füße geachtet werden. Schmerzhafte Fehlstellungen im Erwachsenenalter oder im hohen Alter sind oft das Ergebnis mangelnder Weitsicht bei der Schuhauswahl. Häufig sind die Schuhe zu eng, weil die tatsächliche Größe unbekannt ist. Hinzu kommen gegebenenfalls zu hohe Absätze oder das Verwenden von falschen Einlagen.

Die Diagnose: Hallux valgus – eine Verformung der Vorderfüße mit Schiefstand der großen Zehen. Die Folgen: schmerzende Großzehballen. Die Schmerzen können aber auch im Fußballen oder im Fußgewölbe, auf dem Spann, an der Ferse, auf der Fußsohle sowie am Fußgelenk auftreten. Auch Rückprobleme können daher resultieren.

Besonders Frauen leiden unter Fußschmerzen. Mediziner sprechen vom „Cinderella-Syndrom“.

In der Altersgruppe der über 65-Jährigen ist jede Dritte davon betroffen. Von Medizinern wird dieses Phänomen auch „Cinderella-Schuh-Syndrom“ genannt. Im Märchen war der Glasschuh, in den die Stiefschwestern Aschenputtel steckten, zu klein. Heute kommen wegen dem Schönheitsideal die hohen Absätze hinzu, weil sie die Körperlast ungünstig auf den Mittelfuß fokussieren, begünstigen diese einen Hallux valgus.

Durch das übermäßige Tragen werden die Zehen aus ihrer natürlichen Lage verschoben. Sie werden durch Enge und Höhe näher zusammengeschoben. Wer sehr häufig Schuhe trägt, die vorne spitz zulaufen und hinten angehoben sind, sorgt dafür, dass die Mittelfußköpfchen das ganze Körpergewicht tragen müssen.

Aber dafür ist dieser Teilbereich der Füße nicht angelegt – das Quergewölbe im Fuß verliert seine natürliche Form und Krümmung durch die Belastung. Die Folge: Spreiz- und Senkfüße. Hier verdrehen sich die großen Zehen zu den kleinen, das große Zehengelenk rutscht unter der Last zur Körpermitte – eine typische Fehlstellung.

Fehlbildungen entstehen oft im Kindesalter

Aber auch Männer können unter schiefen Zehen leiden. Nicht durch Hackenschuhe, sondern durch die falsche Schuhgröße. Allgemein: viele Alltagsschuhe sind nicht ganz dem natürlichen Fuß angepasst. „Die Mehrheit unserer Bevölkerung hat Fußdeformationen, also Knick-, Senk- oder Spreizfüße“, sagt Prof. Dr. Martin Engelhardt, der Präsident der Deutschen Triathlon Union (DTU), Orthopäde, Unfallchirurg und Chirotherapeut. Die Ursache: Zum falschen Schuhwerk komme evolutionsbiologisch hinzu, dass die großen und kleinen Fußmuskeln seit dem Industriezeitalter kaum noch trainiert würden, weil kaum noch auf weichen Böden wie Waldböden gelaufen werde. Dies führe zu Fehlstellungen.

Und dies fängt schon heute im Schulalter an. Nach einer Studie, die an Wiener Grundschülern durchgeführt, wurde festgestellt, dass knapp 70 Prozent der Kinder zu kleine Schuhe trugen. Die Lage der  großen Zehen hatte sich schon bei 75 Prozent der Schulkinder verändert. Bei jedem achten Kind war der Winkel, mit dem die Zehenstellung vom Normalzustand abwich, größer als zehn Grad. Viele Schuhgrößen sind demnach falsch. Der Fuß werde dadurch gestaucht. Je weniger aber Bänder, Sehnen und Muskeln belastet werden, desto eher bilden sie sich zurück.

Prävention: öfters Barfuß laufen und passende Schuhe

Deshalb gilt zur Prävention vor Fehlbildungen am Fuß zweierlei: passende Schuhe und regelmäßiges Barfußlaufen, um den Muskel- und Bandapparat in den Füßen zu stabilisieren und eine gesunde Zehenstellung zu fördern. Je früher man dafür sensibilisiert ist, desto besser. Ergo: Gerade im Wachstumsalter ist die Vorbeugung besonders wichtig.

Bei erwachsenen und älteren Menschen geht es im Besonderen bei der Bewegung mit nackten Füßen darum, den Vorfußgang wiederherzustellen. Damit lässt sich die Sehnenplatte in der Fußsohle zwischen Vor- und Rückfuß trainieren, die Achillessehne unterstützen oder die Wirbelsäule entlasten. Das verringert zudem die Gefahr von Rückenproblemen. Die weiteren positiven Effekte: der Tastsinn, der beim Schuhetragen über die Jahre abstumpfte kommt zurück. Die Fußreflexzonen werden angeregt und zugleich der ganze Organismus, da der Blutdruck im Ganzen reguliert wird.

Barfußlaufen hilft.

Für Frauen: Entwarnung - ein bisschen Absatz ist kein Problem. Aber, hier kommt es auf das Belastungsmaß an. Auch hier gilt: den Füßen öfters Entspannung gönnen und die Fußmuskulatur durch Barfußlaufen oder durch regelmäßiges „auf den Zehenspitzen laufen“ trainieren.

Neben Barfußlaufen und bequemem Schuhwerk kann man darüber hinaus auch mit orthopädischen Einlagen sowie einem dämpfenden Absatz Fehl- und Überbelastungen entgegenwirken. Auch eine entsprechende Fußgymnastik kann eine gute Vorbeugung sein. Eine sorgfältige Fußpflege gehört ebenfalls zu den Vorbeugemaßnahmen.

Sind die Schmerzen zu extrem, bleibt ein Gang zum Orthopäden nicht aus. Dann folgt entweder eine symptomorientierte Behandlung mit Schienen oder Einlagen oder im „Worst Case“ ein operativer Eingriff.

Podologen – hohe Nachfrage

Soweit muss es aber nicht kommen. Der regelmäßige Gang zum Podologen kann bei akuten Problemen helfen. Der Beruf des Podologen boomt aufgrund der genannten Zunahme an Fußerkrankungen laut dem Deutschen Verband für Podologie (ZFD) seit Jahren. Zweck des Verbandes ist die Gesamtvertretung der berufsständigen Interessen der Podologen und Fußpfleger sowie die Förderung der gemeinschaftlichen Berufsbelange. Der Verband betont: „Die Nachfrage nach Podologen ist riesig – der Podologe ist ein Gesundheitsfachberuf mit Zukunft.“
Die gängige Definition von Podologie: nichtärztliche Heilkunde am Fuß. Sie grenzt sich damit deutlich ab von der reinen Fußpflege, wie sie von Fußpflegern praktiziert wird. Ihre Maßnahmen sind dabei vielfältig und stehen in Zusammenhang mit der Inneren Medizin  - Diabetologie -, Dermatologie  -Erkrankungen der Haut -, Chirurgie sowie der Orthopädie. Sie basieren auf präventiven, kurativen therapeutischen und rehabilitativen Maßnahmen rund um den Fuß.

Kurz und knapp: Podologen behandeln Erkrankungen und pathologische Veränderungen der Füße. Internistische oder orthopädische Krankheiten wie Rheuma, Übergewicht, venöse und arterielle Erkrankungen können dafür die Ursache sein. Oder auch Fehlbildungen durch falsche Schuhe.

Podologen arbeiten dabei als Selbständige in einer eigenen Praxis mit oder ohne Kassenzulassung, als freie Mitarbeiter in einer Praxisgemeinschaft oder als Angestellte in Kliniken oder speziellen Fußambulanzen mit anderen Berufsgruppen, wie zum Beispiel Ärzten, orthopädischen Schuhmachern oder auch Physiotherapeuten oder Ergotherapeuten zusammen

Ihr Arbeitsfeld ist demnach sehr vielfältig. Neben der Behandlung von eingerollter und eingewachsener Nägel oder der Behandlung von Hauterkrankungen am Fuß stehen Mobilisierungsübungen und Fußgymnastik bei Fehlstellungen und Deformitäten im Vordergrund. Darüber hinaus u.a. Fuß- und Unterschenkel-Massage als therapeutische Maßnahme und allgemeine und Patientenberatung und –anleitung zu vorbeugenden Maßnahmen zur Pflege und Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Füße.

Irrtümlicherweise kommt es bei diesem Beruf häufig zu Verwechslung mit der Fußpflege. Aber, ein Fußpfleger darf nur rein kosmetische Pflege vornehmen. Er darf aber beispielsweise keine Wunde versorgen, wie ein Podologe. Die Verwechslung resultiert zum einen daraus, dass eine Unwissenheit über dieses Berufsfeld vorherrscht, zum anderen aber auch daran, dass Podologie-Praxen oftmals schlicht keine weiteren Patienten mehr aufnehmen könnten, und diese dann zu Fußpflegern ausweichen wüssen.

Außerdem ist die Berufsbezeichnung „Podologe/Podologin“ in Deutschland erst seit Ende 2002 gesetzlich geschützt, was bedeutet, dass sie nur mit behördlicher Erlaubnisurkunde zur Führung der Berufsbezeichnung verwendet werden darf. Und da es diesen Beruf bis dahin nicht gab, wurde auch die Wundversorgung von Fußpflegern vorgenommen.

Ausbildungszentrum Podologie auf der Beauty Düsseldorf 2017

Gerade in Nordrhein-Westphalen reagierte man die gestiegene Nachfrage nach Podologen. Hier gibt es neun staatlich anerkannte Schulen, die Podologen ausbilden. Das sind bundesweit die meisten Schulen. Insgesamt gibt es in Deutschland cira 40 Podologie-ausbildungsstätten. Die bundesweit einheitlich geregelte schulische Ausbildung zur Podologin/zum Podologen dauert in Vollzeit in der Regel zwei Jahre und in Teilzeit maximal vier Jahre.

Aktuell: Im Rahmen der kommenden BEAUTY DÜSSELDORF vom 31. März bis 2. April beteiligen sich elf Podologieschulen mit 18 Standorten am Ausbildungszentrum Podologie. Diese Informationsplattform will über einen umfassenden Einblick in das Berufsbild des Podologen informieren. Darüber hinaus sollen Kosmetikerinnen, Fußpfleger und Fachbesucher aus verwandten Gesundheitsfachberufen über Entwicklungsmöglichkeiten und berufliche Perspektiven im Bereich Podologie informiert werden.

„Das Ausbildungszentrum Podologie greift ein hoch aktuelles Thema auf. Je nach Region ist schon heute ein sehr hoher Bedarf und zum Teil bereits ein Mangel an qualifizierten Fachkräften im Bereich Podologie erkennbar“, sagt Mechthild Geismann, Inhaberin des Beratungsunternehmens podo consulting. Die Berufsaussichten und Beschäftigungsmöglichkeiten für Podologen seien deshalb ausgezeichnet , so Geismann weiter. Auch in Klinken und Pflegeeinrichtungen sei die Nachfrage groß.

Auch bereits praktizierende Podologen sind willkommen. Denn eine kontinuierliche, intensive Weiterbildung sei laut des Beratungsunternehmens eine der Grundvoraussetzungen, um sich als Podologe erfolgreich im Markt zu positionieren, verwandte Tätigkeitsfelder zu entdecken und neue Patienten sowie Kunden zu gewinnen.

 „Stillstand kommt einem Rückschritt gleich. Durch regelmäßige Fortbildung und Zusatzqualifikationen wird nicht nur die Fachkompetenz gesteigert. Den Patienten wird zusätzlich signalisiert, dass nach den neuesten Forschungserkenntnissen behandelt wird, man aufgeschlossen gegenüber modernen Behandlungstechniken ist und eine optimale Beratung und Behandlung angeboten wird“, betont Mechthild Geismann.

Über aktuelle Stellenangebote deutschlandweit und in Nordrhein-Westfalen informiert der Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. des Deutschen Verbandes für Podologie, der mit über 1300 Mitgliedern der größte Landesverband in Deutschland ist.

 

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