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Secondhand-Handel mit Herz

»Der Laden« bietet Menschen in schwierigen Lebenssituationen eine Alternative

Monheim am Rhein. Die Stadt wirbt mit niedrigen Steuersätzen. Als Folge bleibt die Unternehmensansiedlung hoch. Aber sorgt dieser Umstand dafür, dass es auch allen in der Stadt lebenden Menschen finanziell gut geht? Ein Besuch im »Laden« des SKFM am Rathausplatz 3 belegt das Gegenteil.

Hat Monheim ein Armutsproblem? »Ganz klar, ja!«, beantwortet Peter Faßbender, Verkaufsleiter des SKFM-Second-Hand-Ladens, die Frage. Und weiter: »Wir beobachten, dass es von Jahr zu Jahr gravierender wird. Hier sind nicht nur die Bezieher von Arbeitslosengeld II zu nennen. Es gibt viele Menschen mit niedrigen Einkommen, Rentner die mit ihren Bezügen nicht mehr hinkommen und wir haben die Flüchtlinge, denen es am Nötigsten fehlt.«

Kaufhaus mit Charme


Eigentlich ein Sozialkaufhaus, versteht sich »Der Laden« eher als Secondhand-Shop. Von Ramsch ist man hier auch weit entfernt: »Bevor etwas von der Spendenannahme in den Verkauf geht, wird es gründlich überprüft. Die Sachen werden nicht nur gewaschen oder gesäubert, für uns nicht Vertretbares wird aussortiert. Dasselbe gilt für Möbel: Was eigentlich auf den Sperrmüll gehört, holen wir nicht ab,« so Faßbender.
Das Ladenlokal, das bis vor einem Jahr noch eine Tanzschule beherbergt hat und barrierefrei erreichbar ist, ist riesig. In hellen Farben gehalten, strahlt es eine gemütliche Willkommensatmosphäre aus. Im Eingangsbereich finden die Kunden zahlreiche Ständer mit Kinderbekleidung, daneben Spielzeug.
Im Hautpverkaufsraum wähnt man sich in einer Boutique. Regale und Ständer mit Kleidung für Erwachsene wo man hinblickt, ansprechend präsentiert und natürlich nach Art und Größe sortiert.
»Auch hier sehen wir, dass Damen ihre Kleiderschränke wohl öfter aussortieren als Männer. Herrenbekleidung benötigen wir nämlich aktuell wieder dringend«, so Daniela Prehn, SKFM-Mitarbeiterin.
Im hinteren Bereich befinden sich die Haushaltswaren. »Junge Leute, die von ihrem Elternhaus in eine eigene Wohnung ziehen möchten, haben oft wenig Geld. Hier bekommen sie günstig eine Erstausstattung«, berichtet die Diplom-Sozial-Pädagogin.

Hier ist jeder willkommen

Anders als bei der Tafel, kann im Laden des SKFM jeder einkaufen. »Ab und zu werden von uns Stichproben durchgeführt. Grundsätzlich haben wir aber ein gutes Gespür dafür, wer wirklich bedürftig ist. Wir schicken keine alte Dame, die ihren Renten-Euro zweimal umdrehen muss oder einen bedürftigen Familienvater, der dringend Kleidung für seine Kinder benötigt, weg«, erklärt Faßbender.
Auch personell hat sich »Der Laden« ganz dem sozialen Aspekt verschrieben. In der Warenannahme und im Verkauf arbeiten Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt oft nicht zu vermitteln sind. Hier lernen sie Elemente der Einzelhandelkaufmannsausbildung kennen. »Die Ausbildung ist jedoch nicht zertifiziert«, so Faßbender. Allerdings sei das auch nicht so wichtig: »Bei uns lernen sie Basics wie sich morgens den Wecker zu stellen, Termine einzuhalten oder Sozialkompetenz«, weiß auch Daniela Prehm.
Viele der von der ARGE unterstützten Programmteilnehmer kämen aus der Einsamkeit, hatten kein förderndes, soziales Umfeld  und verbrachten ihre Tage mit fernsehen oder dem ewigen Zocken am Computer. »Hier fühlen sie sich ernst genommen, haben eine Aufgabe und sind Teil eines Teams. Für einige sind wir sogar Familienersatz. Mitzuerleben, wie diese Menschen über sich hinauswachsen und welch positiven Einfluss die Arbeit hier auf sie und ihr Leben hat, das sind die Gründe, warum wir diese Arbeit machen und lieben«, sagen Prehm und Faßbender überzeugt.

Von Herzen schenken

»Der Laden« bittet dringend um gut erhaltene Spenden. Benötigt werden vor allem: Kleidung für Kinder (alle Größen) und Herren, Babybekleidung, Spielsachen, Handtücher und Bettwäsche oder auch Haushaltswaren.  Wer jetzt schon weiß, dass er sein Karnevalskostüm im nächsten Jahr nicht mehr braucht, kann dies ebenfalls gerne abgeben.

Öffnungszeiten

»Der Laden« hat zu folgenden Zeiten für geöffnet:
Montag: 10 bis 14 Uhr, Dienstag bis Freitag: 10 bis 18 Uhr, Samstag: 9 bis 13 Uhr
Spenden können von Montag bis Freitag, jeweils zwischen 
9 und 17.45 Uhr, abgegeben werden.
Fragen beantworten die Mitarbeiter gerne auch unter Telefon: 02173 / 6 75 60, E-Mail: spenden@skfm-monheim.de.

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