David Posor

Wo Schulabgänger und Ausbilder sich finden

WochenPost zu Besuch auf der zwölften BOB

Langenfeld. (DP). Volles Haus an der Hauptstraße 129. Die zwölfte Berufsorientierungsbörse »BOB« hatte gerufen, jede Menge Arbeitgeber und Jugendliche waren dem Ruf gefolgt. In der Langenfelder Stadthalle präsentierten so viele Unternehmen wie noch nie ihre Karriereangebote – und buhlten mit ihren teilweise höchst kreativen Ideen um das Interesse von Schülern aus Langenfeld, Monheim und erstmals auch Leichlingen.

Die Sonne strahlt an diesem Maitag vom Himmel. Und spielt damit vor allem den Messeteilnehmern auf dem Vorplatz des Gebäudes in die Karten. Denn weil die Beliebtheit der BOB Jahr für Jahr zugenommen hat und die Kapazität in der Halle mittlerweile ausgereizt ist, befinden sich längst auch hier einige Stände. So zum Beispiel der des Autohauses Schnitzler, das hier, an der frischen Luft, ein Fahrzeug präsentieren kann. Ebenso wie Feuerwehr und Polizei.

Gerade die Personalsituation letzterer ist derzeit ein großes Thema in den Medien. »Die Einstellungsermächtigungen sind erhöht worden, weil die Forderung nach mehr Polizei ja flächendeckend vorhanden ist«, sagt uns Marten Harms von der Kreispolizeibehörde Mettmann. Allerdings sei die Nachwuchsbeschaffung mal einfacher gewesen. Grund ist, dass die Zielgruppe der Abiturienten seit einem Rückgang von Realschulabsolventen härter umkämpft ist. »Wir müssen uns so vermehrt mit anderen Mitstreitern auf dem Arbeitsmarkt auseinandersetzen, um junge Menschen für den Polizeiberuf zu begeistern«, so der Polizeihauptkommissar im hellblauen Kurzarm-Shirt.

Zum Glück kann der Polizist den BOB-Besuchern mit guten Argumenten begegnen. Es gebe »kaum einen vielschichtigeren und abwechslungsreicheren Beruf«, sagt er. Denn nachdem alle Polizeianwärter das Grundstudium und einen Pflichtdienst hinter sich haben, können sie frei zwischen den verschiedenen Bereichen wählen: Zur Kripo, Schutzpolizei, in die Luft, aufs Wasser oder aufs Pferd – wohin es geht, entscheiden sie selbst. Und: »Sie können ihr ganzes Berufsleben die Aufgabe wechseln, ohne den Grundberuf aufgeben zu müssen, und sich immer weiterbilden.«

Wie Marten Harms werben heute insgesamt 110 Aussteller auf der Messe für ihre Profession. Einen Überblick über die vielen Standplätze bieten Giulia und ihre Kollegen vom Team der BOB-Scouts. »Wir helfen den Besuchern beim Zurechtfinden und können ihnen sagen, wo sie was finden«, erklärt die 14-Jährige, die mit einem Stapel BOB-Broschüren vor dem Eingang der Stadthalle bereitsteht.

»Viele Eindrücke, die
einen hier erwarten«


Hier treffen wir auch Katharina, Sophie und Lisa vom Konrad-Adenauer-Gymnasium. Die drei 17-Jährigen aus der Q1 des »KAG« waren in der Vergangenheit schon einmal auf der BOB und kennen die Atmosphäre gut. »Es sind schon sehr viele Eindrücke, die einen hier erwarten«, sagt Sophie. Da sei es von Vorteil, wenn man mit konkreteren Ideen kommen und gezielt Stände aufsuchen würde. Sophie selbst weiß mittlerweile, dass sie Journalistin werden will. Ihre Schulkameradin Katharina flirtet mit einem Medizin-Studium, kann sich aber auch eine Laufbahn bei der Polizei vorstellen. Dort hinten wartet Herr Harms mit interessanten Infos!

Die beiden Teenager sind sich einig: Wenn man ungefähr weiß, wo es hingehen soll, bietet die BOB eine tolle Gelegenheit, mit Leuten vom jeweiligen Fach zu sprechen. Lisa ist davon überzeugt, dass man auch ohne genauere Vorstellungen von dem Event profitieren kann. Sie selbst weiß nur, dass sie nach der Schule für einen Weile nach Neuseeland gehen will. »Work & Travel«. Das machen heutzutage viele in ihrem Alter. Über das, was danach kommen soll, ist sie sich noch nicht im Klaren.

Junge Frauen sollten
sich mehr zutrauen


Wir begleiten Lisa ein wenig durch die Messe und gelangen mit ihr zum Stand des Unternehmerinnen-Netzwerks Fachwerk e.V., dem 35 Geschäftsfrauen angehören. »Viele von uns haben mit einer Ausbildung angefangen und sich dann selbstständig gemacht«, erfährt die Schülerin von Tanja Bettermann, der 2. Vorsitzenden des Vereins. Man wolle speziell Mädchen aufzeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten im Berufsleben sind und zur Selbstständigkeit ermutigen. Das größte Problem dabei sei laut Bettermann, dass sich Frauen generell zu selten trauen. Mit der Hilfe des Netzwerks dürfte das einfach sein – für Lisa eventuell ein wertvoller Zukunftstipp.

Messe »an der Kapazitäts-
grenze angekommen«


Zwei Meter weiter gibt es eine außergewöhnliche Erfahrung: Petra Hackbarth kann anhand der Ausprägungen im Gesicht eines Menschen dessen Stärken und Potenziale erkennen. »So kann ich Tipps für die berufliche Richtung geben«, so die Mentaltrainerin, die wir bitten, direkt einmal Lisas Gesicht zu analysieren. Die Jugendliche sei herzlich. Fleißig. Eine gute Zuhörerin. Diskutiere gerne und könne sich gut durchsetzen. Außerdem zweifle sie manchmal an ihrem Bauchgefühl und höre lieber auf ihren Kopf. »Das ist echt gruselig gerade«, lacht Lisa, die sich in den Ausführungen wiedererkennt. Eine Komplettanalyse dauere ungefähr eine Stunde, verrät die Face-Reading-Expertin. Und im Anschluss folge ein Coaching, das sich präzise mit der Berufswahl beschäftigt.

Dass derart horizonterweiternde Gespräche zustande kommen, freut allen voran Hans-Dieter Clauser. Als Vorsitzender des Vereins BOBplus e.V. steckt er zusammen mit seinem Team Jahr für Jahr viel Arbeit in die Realisierung des Events. Die Arbeit zahlt sich aus, denn die Börse ist stetig gewachsen und laut Clauser nun »an der Kapazitätsgrenze angekommen.«

Grund für den Erfolg sind nicht zuletzt aufmerksamkeitserregende Stände. Wie zum Beispiel der des Hildener Zahnmediziners Denecke, der gleich eine ganze mobile Praxis aufgebaut hat. »Dort sind heute schon Bewerbungsmappen abgegeben worden«, hat Hans-Dieter Clauser mitbekommen. Und da Denecke die Zahl seiner Auszubildenden aufstocken wolle, gebe es hier »große Chancen«.

Schüler »besser
vorbereitet als je zuvor«


Was wichtig beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen ist, zeigt das BOB-Team an seinem eigenen Stand. Mit der Abwandlung des Logos einer berühmten TV-Casting-Show sucht es außerdem das »Super-Talent«. Die Jugendlichen können hier einen Talenttest machen und – diesmal ohne Gesichtslesen – mehr über ihre Stärken erfahren.

Clauser findet, dass die Schüler in diesem Jahr »besser vorbereitet als je zuvor« zur BOB gekommen sind. Das hätten erste Rückmeldungen der Aussteller gezeigt. Damit der Plan aufgeht, müssen laut des Organisationschefs aber auch die Unternehmen vorbereitet sein. Dafür sorge man im Vorfeld. »Wir wollen Brücken in beide Richtungen bauen«, sagt Hans-Dieter Clauser, »und ich habe den Eindruck, das trägt langsam Früchte«.

 

 

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