David Posor

Wo geht es hin für den Spanischen Elternverein?

Mietvertrag für Clubhaus läuft am Jahresende aus. Die Aktiven suchen dringend nach einer Alternative

Langenfeld. (DP). Eigentlich könnte die Stimmung »bueno« sein: Langenfeld feiert ein Spanien-Jahr und seit kurzem hat der Verein wieder einen festen Gastronomen. Doch neben der Entwicklung der Mitgliederzahlen führt ein Blick in Richtung Jahreswechsel beim Vorstand zu Sorgenfalten:­ Am 31. Dezember verliert die Gruppe ihre Unterkunft. Dennoch zeigt man sich hoffnungsvoll und motiviert.

»Der Verein war mal sehr groß – mit einer großen Tanzgruppe und vielen Mitgliedern.« Thomas Loose erinnert sich an die goldenen Zeiten des Spanischen Elternvereins. Durch seine aus Spanien kommende Frau gelangte der 52-Jährige einst zu der Kulturgruppe, der er bis heute als 2. Vorsitzender angehört. Loose ist stolz auf die lange Tradition des Vereins, der einst legendäre Feste feierte und schon immer nicht nur Anlaufstelle für Langenfelder mit spanischem Migrationshintergrund, sondern auch für Interessierte aus anderen Kulturen war.

In den vergangenen Jahren schrumpfte die Zahl der Mitglieder. Kaum 40 Aktive gehören dem Verein heute noch an und finanzieren ihn. Dabei gibt es attraktive Gemeinschaftsangebote: So trifft sich einmal in der Woche eine Kartenspiel-Gruppe, außerdem werden immer wieder Fußballspiele mit spanischer Beteiligung auf einer großen Leinwand gezeigt. Darüber hinaus stehen Mottoabende auf dem Plan – auch schon mal mit einer riesigen Paella für alle.

Verein soll
»wieder groß werden«


Um letzteres kümmern sich seit kurzem die Geschwister Venancio (44) und Juancarlos Cabezuelo (45). Erstgenannter hat Anfang Mai die Leitung der Vereinsgastronomie übernommen, sein Bruder agiert hier seither als Koch. Und so kann der Spanische Elternverein zusätzlich mit einem Angebot authentischer Gerichte von der iberischen Halbinsel aufwarten. Tintenfisch, Seehecht, Hähnchenspieße und Gambas mit Knoblauch gehören zu den Köstlichkeiten auf der Speisekarte. Man wolle »mit allem dienen, was das Land zu bieten hat«, sagt Venancio Cabe­zuelo. Dazu zählen natürlich auch spanische Weine und Biere.

Der Gastronom, dessen­ Eltern aus As­turien stammen, bedauert den Mitglieder­schwund des  Clubs sehr: »Ich finde schade, dass die Bindung zu einem Verein mit so einer Tradition so marode ge­worden ist.« Gleichzeitig zeigt sich der gebürtige Duisburger motiviert: »Wir möchten da Abhilfe schaffen, damit er wieder groß wird.«

Auch Thomas Loose setzt auf die Gastronomie, die­ man nun freitag- sowie samstagabends und sonntags ganztägig in den Räumen »Auf dem Sändchen 24« anbietet. Sie soll sowohl Spanier als auch deutsche Gäste anlocken und für den Verein begeistern. »Wir wollen bis Jahresende über 100 Mitglieder haben«, so das ambitionierte Ziel des Vorstands.

Ob der Verein aber zunächst einmal überhaupt weiterbestehen kann, hängt davon ab, ob er auch im kommenden Jahr noch ein Vereinsheim hat. Denn am 31. Dezember läuft der aktuelle Miet­vertrag aus. Das in die ­Jahre gekommene Ge­bäude, das der Club momentan nutzt, müsse »in naher Zukunft zwingend aufgegeben werden«, heißt es von der Stadt Langenfeld als Eigentümerin.

Räume für 320 Euro
Warmmiete gesucht


Wie Thomas Loose berichtet, sind alle privaten Bemühungen, eine Alter­native zu finden, bislang fruchtlos geblieben. Nun hoffe man auf die Unterstützung der Stadtverwaltung. Schließlich profitiere die Stadt vom Engagement des Vereins auf den Langenfelder Festen. »Mittlerweile sind unsere Ansprüche auch gesunken«, lacht der 2. Vorsitzende mit einer gehörigen Portion Galgenhumor. Laut Stadtsprecher Andreas Voss ist die Verwaltung bereit, bei der Heimsuche zu helfen. Eine Bereitstellung eines Alternativ­angebots sei aber nicht möglich.

 

 

Die unsicheren Aussichten haben dazu geführt, dass einige Mitglieder schon jetzt das baldige Ende des Vereins befürchten. Doch das will der Vorstand »in jedem Fall verhindern« (Thomas Loose). Die Marschroute sei klar: »Queremos seguir« – Wir wollen weitermachen!

 

ZUM VEREIN

Der Spanische Elternverein wurde 1983 gegründet – unter dem Namen »Asociación de padres de familia de la Colonia de Langenfeld e.V.«. Laut Satzung ist der Zweck des Clubs »die Förderung der schulischen und außerschulischen Erziehung sowie die berufliche, soziale, sportliche und kulturelle Förderung der spanischen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen« in der Stadt. Der erste Vereinsraum befand sich in der Grundschule Am Brückentor, wenig später zog man in einen Raum des heutigen Altenheims in der Eichenfeldstraße. Seit 1991 befindet sich der Verein in den aktuellen Räumlichkeiten am KAG. Damals gehörten laut eigenen Angaben noch 120 Familien zu ihm, von denen 30 Prozent interessierte Deutsche gewesen seien. Der Verein finanziert sich im Wesentlichen durch Mitgliedsbeiträge und Einnahmen auf den Festen.

 

 

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