uho

Sie sind ihren Ahnen dicht auf der Spur

Langenfeld. Einmal im Monat gibt es ein öffentliches Treffen von Ahnenforschern im Stadtarchiv. Wir waren dabei.

Langenfeld. Es fing an mit einem Notizbuch aus Kriegszeiten, das Helmut Linowski im Nachlass seines Vaters gefunden hat.

Von Ulrich Hoeck

»Vieles kannte ich schon aus Gesprächen, aber er ist nie sehr in die Tiefe gegangen«, sagt Linowski. Ein typisches Phänomen, er nennt es ‚das Schweigen der Alten‘. Aber sein Interesse an Ahnenforschung war geweckt.


Die Wege zur Ahnenforschung sind vielfältig. In Langenfeld führen sie in den meisten Fällen zu Marco Klatt in das Stadtarchiv. Der ist so etwas wie der Zeremonienmeister beim Arbeitskreises Ahnenforschung. Ihre öffentlichen Treffen – immer am ersten Mittwoch eines Monats um 17 Uhr – beginnt der Archivar stets mit einer moderierten Diskussionsrunde.

Ahnenforschung kann zur Sucht werden
 
Auf den Namensschildern der 23 Teilnehmer stehen die Orte, an denen ihre Vorfahren gelebt haben. Bei Andreas Gießmann führen die Spuren zurück nach Ostpreußen und Schlesien, nach Hessen und Thüringen, ins Teufelsmoor bei Bremen und schließlich nach Hilden. Weitere werden wahrscheinlich hinzu kommen. »Wenn man einmal damit anfängt, ist es wie die Sucht auf Schokolade«, weiß Gerd von Piwkowski. Zwischen zwei und drei Stunden täglich verbringt er mit der Suche nach seinen Ahnen. Bis in das Jahr 1120 sei er dabei vorgedrungen, sagt er. Wie alle Ahnenforscher werden auch die Langenfelder immer wieder mit Problemen konfrontiert. Wie kann man sich helfen, wenn die Quellen, also Kirchenbücher, Tauf-, Ehe- und Totenscheine, im Laufe der Jahrhunderte vernichtet wurden? Oder, banaler: Was macht man, wenn man Schmitz oder Müller heißt?  Häufig weiß Klatt oder ein anderer Teilnehmer Rat.


Auf Spurensuche nach den Ahnen lernt man zwangsläufig viel über Geschichte. So erfährt man beispielsweise, warum die Zeit der napoleonischen Besatzung häufig im Dunkel bleibt. Weil der Korse Soldaten für seine Armee brauchte, wurden junge Männer bestimmter Jahrgänge in den besetzten Gebieten eingezogen. Viele Taufregister wurden vernichtet, um sie  dem Zugriff des französischen Kaisers zu entziehen. Oder so gut versteckt, dass sie nie wieder auftauchten.


Bei den Treffen werden eigene Dokumente vorgestellt, die anschließend gemeinsam entziffert werden. Da ist zum Beispiel der Eintrag von Elisabeth Habes aus dem Totenbuch einer Gemeinde im Westerwald von 1797. 221 Jahre später zeigt Manfred Wiecken  die kaum noch lesbare Notiz.  Habes, mit 91 Jahren »an Alter und an Leibesschwäche gestorben«, hatte 17 Kinder von zwei Männern sowie »47 Enkell 48 Ur-Enkell.« »Die Dame hat auch zu meinem Clan gehört«, sagt Wiecken. Für Ahnenforscher ist die Entschlüsselung solcher Einträge ein echtes Highlight.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.