David Posor

Mit aufmerksamem Blick in Richtung Windkraft

Streit über Rotmilan und Co.: Reusrather Bürger beobachten kritisch die Vorgänge in ihrer Nachbarschaft

Langenfeld. Der Horizont ist etwas weniger ruhig. Seit ein paar Wochen dreht sich im Reusrather Süden ein Windrad. Mitte Oktober wurde die knapp 100 Meter hohe Konstruktion ins offene Feld gesetzt. Einige Schritte weiter laufen derzeit die Erdarbeiten für eine baugleiche zweite Anlage. Seit das Gebiet als Konzentrationszone für Windkraftanlagen (WKA) ausgewiesen wurde, gibt es von Anwohnern Gegenwind. Die im Jahr 2011 gegründete Bürgerinitiative »Ruhiger Horizont Reusrath« schaut mit Argusaugen auf die ak­tuellen Entwicklungen.

Wenn Andreas Lobb morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, kommt er unmittelbar an ihm vorbei: dem neuen Windrad, das seit kurzem in den Reusrather Himmel ragt. Die Anlage, die momentan noch im Testbetrieb läuft, bildet den jüngsten Meilenstein einer langwierigen Diskussion um Windkraft in Langenfeld. Als Mitglied der örtlichen Bürgerinitiative (BI) engagiert sich Lobb für den Fortgang dieser Diskussion. Denn den Aktiven ist das Konzept ein Dorn im Auge. »Wir setzen uns nicht grundsätzlich gegen Windräder ein«, stellt der 49-jährige Sprecher der Initiative klar, »nur für den richtigen Betrieb der Anlagen.«

Mehrere Kritikpunkte


Die Bürgergruppe hat große Zweifel daran, dass wenige hundert Meter von ihren ­Häusern entfernt alles korrekt vonstattengeht, und argumentiert in diverse Richtungen. So stellt sie den volkswirtschaftlichen Nutzen in Frage, ebenso das Ausmaß der ökologischen Vorteile. Themenschwerpunkte seien laut Lobb jedoch mit der Baugenehmigung einhergehende Auflagen, die der Ansicht der Bürgerinitiative nach nicht erfüllt sind. In einem konkreten Streitpunkt geht es um den Rotmilan und dessen Schutz.Aber auch den Schattenwurf der Rotoren sowie eine Geräuschbelastung für Tier und Mensch führen die streitbaren Bürger ins Feld. »Es ist ein permanenter Unruheherd«, sagt BI-Mitglied Hermann Kals mit Blick auf die fertige Anlage.

»Sankt-Florian-Prinzip«

Für den Investor, die SL Naturenergie GmbH aus Gladbeck, ist das Reusrather Bürgerengagement kein neues Phänomen. »Uns wundern derartige Initiativen nicht mehr«, sagt Projektentwicklungsleiter Joachim Schulenburg. Die meisten Gruppen würden sich dabei eigentlich pro Windenergie aussprechen. »Aber dann gilt da das Sankt-Florian-Prinzip: Nur nicht vor meiner Haustür.« Die Argumentation ufere in solchen Fällen nicht selten aus: »Da wird über die eventuell diskutablen Sachverhalte hinaus in alle Richtungen überlegt, um dahinter dann Gründe für die Verhinderung zu finden.« Schulenburg selbst ist zumindest in der Causa Reusrath um Gelassenheit bemüht: »Wenn wirklich sachliche Gründe vorhanden sind, dann werden sie nicht nur von uns angenommen, sondern auch von den Genehmigungsbehörden erhört.«

Hoffnungen und Befürchtungen

Derzeit laufen gegen den Kreis als Genehmigungsgeber zwei Klagen. SL wehrt sich indes gegen Betriebseinschränkungen, die zum Schutz des Rotmilans verhängt worden sind. Wie Schulenburg berichtet, würden deshalb erneute Kartierungen durchgeführt, die Aufschluss über den tatsächlichen Bestand der Raubvögel geben sollen.

Laut Andreas Lobb hofft die Bürgerinitiative, dass die gerichtlichen Auseinandersetzungen zu einem Verlust der Betriebserlaubnis führen. Doch mit Blick auf die kommenden Jahre kursiert in den Köpfen der WKA-Gegner auch ein anderes Szenario: »Worst Case wären neun bis zehn Anlagen.«

 

ENTWICKLUNG

Die Genehmigungen für die ersten beiden WKA wurden im Dezember 2016 erteilt. Das zweite könnte im März fertiggestellt sein. Ein Termin für den Baustart der dritten und vierten Anlage, die - anders als die WKA 1 und 2 - keine Neuanlagen sein sollen, steht noch nicht fest. Der SL Naturenergie zufolge haben Entwicklungen in der Windenergie-Branche dazu geführt, dass die bisherigen Planungen eventuell überarbeitet werden müssten. So bestehe die Möglichkeit, dass Nummer 3 und 4 kleiner werden als zunächst vorgesehen. Joachim Schulenburg: »Wir überlegen, ob wir einen entsprechenden Antrag zu Beginn des neuen Jahres stellen, die Entscheidung ist noch nicht gefallen.«

 

 

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