David Posor

»Jungen Menschen die Berufswelt nahebringen«

BOB 2016 wirft ihre Schatten voraus – Online-Anmeldeverfahren für Unternehmen gestartet

Langenfeld. /Region (DP). »Die Summe der Studien- und Lehrstellenabbrecher ist eine Katastrophe«, sagt Hans-Dieter Clauser. Die Lösung für das Problem sieht der Vorsitzende von BOBplus e.V. in einer ordentlichen Berufsorientierung. Eine besondere Gelegenheit dazu bietet alljährlich die Berufsorientierungsbörse mit dem knackigen Titel »BOB«. Am 11. Mai schafft sie in der Langenfelder Stadthalle erneut einen Treffpunkt für Jugendliche und Unternehmen. Seit Montag können sich interessierte Firmen im Internet als Aussteller anmelden.

Die Messe für Berufs­orientierung ist seit vielen Jahren ein Erfolgsmodell. Jugendlichen bietet sie die Möglichkeit, sich ausgiebig über diverse Zukunftsperspektiven zu informieren. Unternehmen können derweil für ihre Branche werben und vielleicht sogar den ein oder anderen potenziellen Azubi ködern. Hans-Dieter Clauser und sein Verein dienen hierbei als Vermittler und bringen die beiden Seiten zusammen. Dabei sind diverse Hürden zu überwinden, wie der 65-Jährige im Gespräch mit der WochenPost erklärte.

»Jugendliche müssen Chancen verstehen«

Auf einer Familienurlaubs­reise nach Rimini stand Clauser einst vor der frisch fertiggestellten Europabrücke bei Innsbruck und entschied: »So etwas will ich bauen!« Aus der von den Eltern organisierten Lehre bei der Deutschen Bank wurde daraufhin nichts, denn der Jugendliche entschied sich dafür, eine Laufbahn als Bauingenieur einzuschlagen – und sollte dies nie bereuen. Einen solchen magischen Moment in Bezug auf ihren späteren Beruf erleben leider die Wenigsten. Das ist dem CDU-Mittelstandspolitiker bewusst. Umso wichtiger sei: »Die Jugendlichen müssen ihre Chancen verstehen und bei der Auswahl unterstützt werden.«

Doch die Schwierigkeiten beginnen hier oft so ziemlich am Anfang, wie Hans-Dieter Clauser weiß. Den Schülern, die vor der Beendigung der Schule stehen, fehle nämlich häufig das Interesse. »Sie haben nicht unbedingt Lust, sich mit dem Thema Berufsorientierung zu befassen.« Der Verein BOBplus e.V. versucht, hier gegenzusteuern, und nimmt auch Lehrer und Eltern in die Pflicht. Sie sollen die Wichtigkeit des Themas untermauern.

Rechtzeitig einen Überblick verschaffen

Schüler sollen möglichst früh für ihre berufliche Zukunft sensibilisiert werden. Besonders wichtig sei dies aufgrund des hohen Angebots an Berufen, das es heutzutage gibt. Clauser: »Es ist so reichhaltig, dass selbst manche Fachleute es nicht überschauen können.« 350 Ausbildungsberufe gebe es insgesamt in Nordrhein-Westfalen. Hinzukommen die ganzen Studienmöglichkeiten. Wer sich da nicht rechtzeitig einen Überblick verschafft, landet schnell auf einem für ihn falschen Weg. »Die aktuelle Summe der Studien- und Lehrstellenabbrecher ist eine Katastrophe«, so der Experte, der betont: »Das verursacht Frust auf beiden Seiten.«

»Bewusst auf ein Ziel zusteuern«

Ein weiteres Phänomen – und Problem – sei der Trend zur »Warteschleife«, wie es der BOBplus-Vorsitzende nennt. Zu viele würden sich demnach aufgrund von Unentschlossenheit für ein Au-pair-Jahr im Ausland entscheiden. »Das ist für die Persönlichkeitsbildung sicher eine gute Sache«, findet Hans-Dieter Clauser, »aber auch ein Jahr vertane Zeit«. Auch die Entscheidung zum Besuch eines Berufskollegs werde von den Jugendlichen zu oft getroffen, um Zeit zu schinden. »In den zwei Jahren hätten sie vielleicht schon in der Lehre sein können.«

Clauser ist sich sicher: »Es ist wichtig, dass die jungen Leute bewusst auf ein Ziel zusteuern.« Deshalb will sein Verein ihnen »so viel wie möglich von der Berufswelt nahebringen«. Die BOB sei eine ideale Gelegenheit dafür.

Die IT-Fachleute von BOBplus e.V. haben in den vergangenen Wochen das diesjährige Online-Anmeldeverfahren getestet. Nun funktioniert alles und seit Montag können sich interessierte Unternehmen auf www.bob2016.de registrieren.

Für das Event am 11. Mai haben sich die ehrenamtlich tätigen Organisatoren übrigens zwei Neuerungen überlegt: Zum einen gibt es auch ein Online-Anmeldeverfahren für die diesjährigen Expertenvorträge. Die Schüler können Tickets buchen und sich auf diese Weise einen Platz im jeweiligen Vortrag sichern. Die Veranstalter erhalten gleichzeitig einen Überblick über das Interesse und können bei der Planung darauf reagieren. Zweite Neuerung sind Terminkalender der einzelnen Aussteller. Die Schüler können sich hier eintragen und so ein 15-minütiges Nachmittagsgespräch mit dem Unternehmen ihrer Wahl festlegen.

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