Marcus Italiani

Gefährliches Spiel mit der Gesundheit?

Was steckt hinter der Neustrukturierung der Notdienste und was passiert mit dem Langenfelder Kinder-Notdienst?

Langenfeld. (IT). Es rumort auf den Fluren der Ärzteschaft im südlichen Kreis Mettmann. Nachdem die Kassenärztliche Vereinigung (KV) im vergangenen Jahr diverse Kürzungen beschlossen hatte, denen auch Notfallpraxen im Kreis Mettmann zum Opfer fallen, war der Aufschrei groß (WochenPost berichtete). Hilden ist bereits Geschichte. In Langenfeld soll der Kindernotdienst bedroht sein. Wie geht es nun für kleinere und größere Notfallpatienten in der Mettmanner Südregion weiter? Wir hakten bei den Beteiligten nach.

Seit dem 31. Januar betreiben die Kinderärzte im Südkreis die notärztliche Versorgung nach eigener Organisation. Unter der kostenlosen Servicenummer 116 117 erhält man Auskunft darüber, welcher Arzt in der Nähe gerade Dienst hat.

So weit, so gut? Keineswegs, wie der Langenfelder Allgemeinmediziner Hans-Peter Meuser, Vorsitzender des Ärztevereins Mettmann-Süd, ausführt:

»Der Ärzteverein hat die Praxen Hilden und Langefeld betrieben, Personal beschäftigt und Räume gemietet. Leider wurde uns das zunehmend unmöglich gemacht, weil die KV uns mit ihren Kürzungsvorhaben die Handlungsfähigkeit nahm. Zudem hat das Gesundheitsministerium des Landes festgestellt, dass ein Verein solche Praxen gar nicht betreiben darf und die KV sie übernehmen müsse.«

Ein Kompromiss wäre laut Meuser dennoch denkbar gewesen: »Die KV hätte mit dem Verein einen Kooperationsvertrag abschließen müssen.«

Als der Vertrag nach mehrmaliger Anfrage nicht zustande gekommen sei, habe man der KV angeboten, Mietvertrag und Personal zu übernehmen. »Im Januar hat sie entschieden, den Kindernotdienst nicht zu übernehmen. Ich frage mich ehrlich bis heute, was dafür der Grund ist«, so der Hausarzt.

»Jetzt gibt es bis Ende März den Notdienst in den Praxen. Ab dem 1. April gibt es gar keinen eigenen Dienst mehr hier im Südkreis.« Meuser schätzt, dass viele Familien mit kranken Kindern in die Kliniken in Leverkusen oder Solingen fahren und dort den Betrieb hemmen werden. »Sinnvoll wäre es gewesen, eine Praxis im Norden und eine im Süden zu etablieren«, so der Ärztevereinsvorsitzende. »Warum gerade die größte Praxis hier in Langenfeld geschlossen wird und die beiden kleineren im Norden weiter betrieben werden, ist nicht zu begreifen.«

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung kann man den Rummel nicht nachvollziehen. »Zunächst einmal ist festzuhalten: Die KV hat die Langenfelder Praxis ja nicht geschlossen«, heißt es von Sprecher Christoph Schneider. »Wir haben uns für den Weiterbetrieb der Praxis entschieden, basierend auf bindenden Beschlüssen unserer Vertreterversammlung im Februar 2015, in deren Rahmen der Notdienst umstrukturiert wurde.« Bislang sei auch noch gar nicht klar, wie die Praxen im neu aufgestellten Bezirk Essen/Mülheim/Mettmann aufgestellt sein werden – das werde zurzeit geprüft. »Doch eins muss ich an dieser Stelle festhalten:«, so Schneider, »Für Patienten sind die Kreisgrenzen doch überhaupt nicht bindend!« Ein Patient aus Monheim könne den Leverkusener Kinder-Notdienst in Anspruch nehmen, ein Hildener könne nach Solingen oder Düsseldorf fahren. Christoph Schneider: »Wichtig ist nur, dass die ärztliche Versorgung aller Menschen gewährleistet ist – und das ist sie.« Unter www.kvno.de/­notdienst kann jeder herausfinden, wo sich die nächste Kinder-Notfallpraxis befindet. »Die Kinder-Notfallpraxen sollten dort zu finden sein, wo es ein Klinikum mit einer Kindernotversorgung gibt. Danach richten sich die aktuellen Beratungen«, erklärt der KV-Sprecher.

Klare Verlierer der Reform sind die zu Notdiensten eingeteilten Ärzte, die möglicherweise in Praxen Dienst schieben müssen, die 40 Kilo­meter von ihrem Standort entfernt sind. Hans-Peter Meuser: »Das finden wir unzumutbar, denn es geht den hiesigen Ärzten nicht darum, den Velberter und Ratinger Kinderärzten die Dienstzeiten zu reduzieren, indem man dort eingesetzt wird.« Doch Schneider sieht hier keinen Spielraum: »Die Teilnahme am Notdienst ist eine vertragliche Pflicht.«

Der Gesundheitsausschuss des Kreistages hat vorgeschlagen, sich zu diesem Thema mit Vertretern von KV und Ärzteverein Mettmann-Süd noch einmal an einen Tisch zu setzen, aber ein Erfolg dieses Plans hängt wohl letztlich von den agierenden Personen ab.

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