David Posor

Eine Werft für modernes Arbeiten

Bürogebäude an der Gladbacher Straße bietet Gelegenheit zum »Co-Worken«

Langenfeld. (DP). Der Standort in Immigrath hat eine lange Geschichte. Früher wurden hier Bretter gebogen und Särge gefertigt. Heute findet man auf dem Grundstück an der Hardt einen neuzeitlichen »Co-Working Space«.

»Immer mehr Menschen verstehen sich als Existenzgründer, Freelancer oder nutzen einfach das Home-Office«, beschreibt Dr. Barbara Amler eine aktuelle Entwicklung in der Arbeitswelt. »Diese Gruppen sind doch recht einsam, wenn sie vereinzelt vor sich hinarbeiten. Das können wir hier ändern.« Die Medizinerin, die seit kurzem den Vorsitz der Langenfelder CDU-Mittelstandsvereinigung innehat, führt seit 2014 als geschäftsführende Gesellschafterin die eigene Familien-GbR, die den mehrstöckigen weißen Gebäudekomplex am Toom-Kreisel betreibt. Hier, an der Gladbacher Straße 3-5, finden Freiberufler, Kreative, Startups und digitale Nomaden zahlreiche Plätze zum Arbeiten, die temporär angemietet werden können. Dazu gehören komplette Büros ebenso wie einzelne Tische, aber auch ganze Konferenzräume. Ebenso können Vereine und andere Gruppen in dem Business-­Center Räume für Versammlungen oder Schulungen nutzen.

Vorteile des Co-Workings: Gemeinsame
Infrastruktur und fachlicher Austausch

Wer in der Werft 4.0 monate-, tage- oder auch nur stundenweise arbeitet, profitiert zum einen von der Infrastruktur, die das Haus bietet. Dazu gehören Strom, Highspeed-Internet und Bürobedarf, eine kleine Küche und ein Raum mit Drucker und anderen Geräten. Zum anderen gebe es ein Miteinander, das einen fachlichen Austausch möglich macht, so Barbara Amler. »Man arbeitet hier in Ruhe und hat bei Bedarf wertvolle Gesprächspartner.« Und nicht zu vergessen: der finanzielle Aspekt: »Fixkosten runter, Flexibilität hoch«, laute die einfache Formel für jeden Mieter.

»Wer sonst zu Hause arbeiten würde, hat hier eine klare Trennung von Beruf und Familie«, ergänzt Eventmana­gerin Kerstin Hellhammer, die zu den Mietern gehört und gleichzeitig für die Werft 4.0 tätig ist. »Das heißt, er arbeitet hier in einem professionellen Umfeld und hat wirklich Feierabend, wenn er Feierabend macht.« Dabei spricht sie aus eigener Erfahrung: Nach der Geburt ihres ersten Kindes im Jahr 2013 entschied sie sich für die Selbstständigkeit und lernte, dass das Co-Working mit anderen Individualisten an einem externen Ort mehr Vorteile mit sich bringt als das Arbeiten in den eigenen vier Wänden.

Im Wandel der Zeit: Es begann
mit einem Handwerksbetrieb

Gegründet wurde die Werft 4.0 als solche von Barbara Amlers Kindern Ann-Sophie und Nicolaus. Weil das Haus damit in der vierten Generation betrieben wird, findet sich im Namen die 4.0. »Werft« heißt das Gebäude, weil Barbara Amlers Großvater hier vor 130 Jahren tatsächlich eine Schreinerei mit Bootsbauerei eröffnete. »Er war in Hamburg bei der Marine gewesen und hatte dort gelernt, wie man Holz biegt«, erzählt sie. Aber nicht nur Sportboote baute Alfred Weiß; auch fungierte sein Betrieb als Kutschen-Werkstatt und Sarg-Manufaktur.

Barbara Amlers Vater Heino Weiß fertigte hier irgendwann Fensterrahmen und Möbel. Die älteren Langenfelder werden sich noch an das Möbelhaus Weiß erinnern, das 1940 daraus entstand und bis in die 80er-Jahre existierte. Seit den Neunzigern vermietet die Familie das Haus an Dienstleister wie Steuerberater und IT-Fachleute, die bis heute Kernnutzer sind.

Im Obergeschoss des Gebäudes erzählt eine Tafel mit historischen Bildern und Zeitungsausschnitten die wechselhafte und interessante Geschichte des Familienbetriebs, der sich – vom Handwerk über den Handel bis hin zum modernen Büro-Center – stets den Gegebenheiten der jeweiligen Zeit angepasst hat. Und wer weiß: Vielleicht schließt sich der Kreis irgendwann und in 130 Jahren werden hier Raumschiffe gebaut.

 

ZUM HAUS 

Die Werft 4.0 bietet auf zwei Etagen mit insgesamt rund 1.000 Quadratmetern 60 Arbeitsplätze und vier Konferenzräume. Für alle Mitglieder organisiert das Haus regelmäßig Networking-Events wie spezielle Frühstücke oder Vorträge.

 

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