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Lässt sich ein Gewerbegebiet an der Backesheide verhindern?

Der Haaner Dieter Jürgens hat den Aufruf gestartet: »Es wird Zeit aufzustehen«

Haan. (BL). Es ist der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein, der den Haaner Dieter Jürgens dazu gebracht hat, die Initiative »Es wird Zeit aufzustehen« zu gründen. Damit möchte er Mitmenschen in seiner Stadt animieren, sich politischen Entscheidungen auch mal entgegen zu stellen.

Die erneut aufgeflammte Diskussion um die Änderung der Flächennutzung des Ackerlandes nördlich der Backesheide in ein Gewerbegebiet hat den Stein ins Rollen gebracht. Entgegen Stimmen der beiden Wählergemeinschaften Lebenswertes Haan und Grün-Alternative-Liste wurden im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr Ende November die Weichen dafür gestellt. Um das politische Votum nachträglich abzuwenden, haben Dieter Jürgens und seine Mitstreiter Unterschriftenlisten in aktuell zehn Haaner Geschäften ausgelegt. Bis zum 10. Dezember geht die neue Initiative auf Stimmenfang, die Listen sollen zwei Tage später dem Stadtrat überreicht werden. Auf Facebook hat das Thema innerhalb weniger Stunden eine breite Öffentlichkeit erzeugt.

Fehlbedarf decken

Das Areal in unmittelbarer Nähe der Autobahn-Anschlussstelle Haan-Ost ist im Eigentum des Bundes, der Stadt Haan und die größtenteils landwirtschaftlichen Flächen in Privateigentum. Die Stadt begründet diese Maßnahme in ihrer Verwaltungsvorlage unter anderem damit, dass für die Kommune im Rahmen des Aufstellungsverfahrens zum neuen Regionalplan ein Gewerbeflächenbedarf in einer Größenordnung von 50 Hektar ermittelt worden sei, den sie nicht deckt. Die Fläche nördlich der Backesheide sei aufgrund ihrer unmittelbaren Lage zur Autobahn, der bereits bestehenden erheblichen Belastungen durch die A46 und durch die Landstraße 357n aber auch durch den Anschluss an die bestehenden Gewerbeflächen in Haan, Wuppertal und Solingen für die Entwicklung einer Gewerbefläche besonders geeignet. Zudem sei auch damit zu rechnen, dass die Stadt Solingen ihre Planungen zum gegenüberliegenden Gewerbegebiet Fürkeltrath II nach dem Beschluss des neuen Regionalplanes wieder aufnehmen werde. Bei ihren Zielen betont die Verwaltung auch, die im Osten und Süden angrenzenden geschützten Landschaftsbestandteile der ehemaligen Korkenziehertrasse und des Hohlweges erhalten zu wollen.

Abriegelung Ittertal

Für Gegenwind hat bereits die Solinger Initiative »Rettet das Ittertal« gesorgt, die wie Dieter Jürgens dieser Änderung mit Sorge entgegen sieht. Durch die starke Verdichtung des Siedlungsraums sehen beide Initiativen erhebliche Beeinflussungen für die Umwelt, wie: Starkregen, der durch die Bodenverdichtung hervorgerufen wird, und negative Klimaeinflüsse durch die Abriegelung des Ittertales. Dieter Jürgens stört dabei am meisten: »Wieder werden landwirtschaftliche Flächen für die Landwirtschaft unbrauchbar gemacht. Ich glaube, dass sich die Stadt Haan damit zum Steigbügel-Halter der Stadt Solingen macht.«

Gegen Politikverdrossenheit

Auf Facebook hat Dieter Jürgens die Online-Petition weact.campact.de eingerichtet, auf der man gegen die Bebauung der Backesheide stimmen kann. »Die Initiative "Es wird Zeit aufzustehen" ist aber nicht nur geprägt von der Backesheide, sondern soll der Auftakt sein, sich außerparlamentarisch mit Ratsbeschlüssen auseinanderzusetzen und zu versuchen, die Bürgermeinungen verstärkt mit in die Ratsbeschlüsse einzubringen«, betont Dieter Jürgens.

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