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Holger Schwierzke: Ein leiser Abschied nach fast 32 Jahren

Ehrenamtlicher Techniklehrer hat Generationen von Schülern unterrichtet

Haan. (BL). Nach einem schier unermüdlichem Einsatz im Ehrenamt hat sich Holger Schwierzke jetzt »zur Ruhe« gesetzt. Seine Wirkungsstätte war der Technikraum in der Hauptschule, seine Berufung das Holz und seine Leidenschaft die Arbeit mit den jungen Menschen. Als ehrenamtlicher Techniklehrer stand Holger Schwierzke knapp 32 Jahre lang mit den jugendlichen Schülern an der Werkbank.

Keine Frage, ganz leicht fällt es dem ehemaligen Tischlermeister nicht, dass der Technikraum in der Hauptschule Zum Diek nun nicht mehr einmal die Woche zu seinem Lehrraum wird. Wenn er die letzten drei Jahrzehnte zurückblickt, dürfte er gemeinsam mit dem ehemaligen Leiter der Hauptschule Markus Helf weit über 600 Schülern das Arbeiten mit Holz näher gebracht haben. Mit dem Abschied in den Ruhestand des ehemaligen Direktors zu den Sommerferien hat auch Holger Schwierzke (73) seine ehrenamtliche Tätigkeit als Techniklehrer an den Nagel gehängt. Markus Helf hat bei seiner Verabschiedung einige Mal auf den Einsatz seines Wegbegleiters hingewiesen, doch große Anerkennung hat Holger Schwierzke darüber hinaus wenig erfahren: »Das ist mir aber auch nicht wichtig«, gesteht der zweifache Familienvater, der so gut wie sein ganzes Leben in der Gartenstadt verbracht hat. 

Für junge Menschen im Einsatz

Bis zu seiner hauptberuflichen Rente 2009 war Holger Schwierzke 25 Jahre lang Ausbilder für benachteiligte Jugendliche beim Internationalen Bund in Wuppertal. Von dort aus hat er zusätzlich Hilfsprojekte und -konvois in mehrere Länder begleitet; war beispielsweise mit den jungen Menschen in Griechenland, St. Petersburg und auch in Nicaragua. In Zentralamerika unterstützte er zusammen mit dem Hauptschullehrer Daniel Bisdorf vier Wochen lang die Schule »Escolar Miguel Larreynaga«, zu der die Haaner Hauptschule bereits eine Patenschaft hatte.

1986 begann sein Ehrenamt, als an der Haaner Hauptschule die freiwillige Technik-AG ins Leben gerufen. Donnerstags von 18 bis 20 Uhr hat Holger Schwierzke mit den Schülern ab der 7. Klasse Holzarbeiten gefertigt. Später wurde daraus ein Wahlpflichtfach, das für Freitagmittag auf dem Stundenplan stand. Unzählige Schachbretter und Mühlespiele sind in dieser Zeit in die Haushalte von Haan und Umgebung gewandert. Zwei Furnierarbeiten zieren bis heute den Flur vor dem Lehrerzimmer: Eine Weltkarte und die Schule sind darauf zu sehen. »Die Schüler waren davon immer begeistert«, so der Ruheständler.

Generationen von Hauptschülern betreut

Die Motivation von damals sei nicht vergleichbar mit der von heute. Im Zeitalter Computer lasse die Neugier an solchen Angeboten spürbar nach, bedauert der 73-Jährige: »Das Interesse und die Feinmotorik fehlen.« Rückblickend kann Holger Schwierzke sagen, dass er Generationen von Hauptschülern unter seinen Fittichen hatte. In den Jahren haben sie gemeinsam viel umgesetzt, die Schülerfirma Holzwurm ist eins dieser herausragenden Projekte. Für ihr eigenes Unternehmen bauten die Jugendlichen Vogel- und Fledermaushäuschen sowie Nistkästen, die dann beim Weihnachtsbasar verkauft wurden. Auch Umweltschutz-Organisationen (wie NABU, BUND und AGNU) bestellten ihre Kästen über die Firma Holzwurm. Zusätzlich wurden die Arbeiten im Rewe-Markt oder bei Baustoffe Schätte verkauft. Mit Kreis- und Bandsäge, Hobel- und Schleifmaschine ging es im Technikraum ans Werk: »Dabei ist nie etwas passiert«, unterstreicht Schwierzke. Der ehemalige Direx Markus Helf war in dieser Produktionsstätte ein Dauergast: »Ich hatte manches Mal Angst um die Finger des Schulleiters«, schmunzelt Holger Schwierzke.

Urhaaner blickt dankend zurück

Seit 72 Jahren lebt Holger Schwierzke in Haan. »Da ist man schon Urhaaner«, floskelt der 73-Jährige und ergänzt: »Ich wollte hier nie weg.« Mit seiner Frau Hannelore hat er in der Gartenstadt seine Familie gegründet, zwei Zwillingsmädels bekommen, die selbst zur Hauptschule gegangen sind. Holger Schwierzke gehörte dem Schulverein an. »Ich vermisse das sehr, dass ich die Werkstatt nicht mehr habe. Ich habe nie eine Minute bereut«, so Holger Schwierzke. Doch an Aufgaben wird es ihn nicht mangeln: Vielleicht gibt es auch eine Fortsetzung seiner DVD über Fachwerkhäuser in Haan.

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