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Ein Second-Hand-Warenhaus für ärmere Menschen

90 Ehrenamtler sind für den Betrieb der Kleiderkammer im Einsatz, weitere Mitwirkende werden gesucht

Haan. (BL). Vor gut anderthalb Jahren, als die Kleiderkammer ihren (Neu-)Start im Blauen Haus an der Martin-Luther-Straße mit den zusätzlichen Lagerräumen im Windhövel-Gebäude begonnen hat, leisteten zirka 30 ehrenamtlich Engagierte den Betrieb von der Warenannahme bis zum Verkauf. Einiges hat sich seitdem verändert: Ein neuer Standort an der Steinkulle 3 wurde bezogen, die Anzahl der Helfer verdreifacht und das Sortiment ausgeweitet - sogar eine kleine Werkstatt gehört mittlerweile dazu.

Wer das Lager der unter dem Dach des SKFM e.V. laufenden Kleiderkammer in Unterhaan betritt, wird einen leichten Ölgeruch wahrnehmen. »Hier war mal ein Antriebshersteller drin«, beschreibt Heike Müller während ihres Rundgangs durch die 500 Quadratmeter großen Lager- und Verkaufsräume, den sie standardmäßig macht, bevor der eigentliche Kundenverkehr losgeht. Das ehemalige Fabrikgebäude liegt zwar etwas außerhalb, hat sich aber dennoch als ein Glücksgriff für die vielen aktiven Helfer des Second-Hand-Warenhauses entpuppt, das neben Flüchtlingen allen sozial schwächer gestellten Menschen in der Stadt offen steht. Hier sind nicht nur Lager und Verkauf in einer Immobilie vereint, zusätzlich bietet der Standort einen Aufenthaltsraum für das Team und auch das Ambiente gleicht eher dem eines Geschäftes. Darüber hinaus gibt es eine weitere Neuerung: »Die Käufer müssen uns ihre Bedürftigkeit nicht mehr nachweisen«, beschreibt Brigitte Hausdorf. Angst, dass das ausgenutzt werden könnte, haben die Damen nicht. »Wir machen das natürlich für Bedürftige«, so Brigitte Hausdorf. Aber durch diese Entschärfung habe man Hemmschwellen abgebaut - mit dem Ergebnis, dass nun auch deutlich mehr ältere und deutsche Mitbürger die Kleiderkammer aufsuchen. Denn die Initiative möchte für alle ärmeren Menschen in der Stadt Anlaufstelle sein, wenn es um den günstigen Erwerb von Kleidung, Bettwäsche, Haushaltstextilien aber auch von Küchenutensilien, Koffern, Kinderwagen, Fahrrädern und auch schon mal um einen Rollator geht. 

Große Spendenfreude

Die Spendenbereitschaft der Haaner sei nach wie vor hoch, bestätigt Brigitte Hausdorf. »Es gibt ganz liebe Leute, die uns sogar Drogerie- oder Schreibwaren einkaufen«, zeigt sie sich begeistert. Die Helfer im Lager sortieren die Waren vor: Nach Größen, Jahreszeit aber auch, ob die gespendeten Artikel verkaufbar sind oder nicht. Einiges geht auch an den Verwerter und manche Artikel werden für andere Organisationen gesammelt, beispielsweise für das SOS Kinderdorf in Oberhausen. Die Arbeit im Lager sei begehrt, so Brigitte Hausdorf. »Hier ist die Stimmung einfach toll, es gibt jede Menge zu erkunden.« Während die engagierte Frau das beschreibt, deutet sie auf eine neu eingetroffene Puppenwiege. »Ich muss gleich mal schauen, ob wir dafür ein passendes Puppenkind haben«. Aber auch die ehrenamtlichen Verkäufer/-innen haben Spaß an ihrem Tun, bei der Bekleidung werden schonmal ganze Outfits zusammen ausgestellt und mit passenden Accessoires (Tüchern, Taschen oder Modeschmuck) fürs Auge drapiert.

Ein kleines Logistikunternehmen

Allein den Einsatz der rund 90 Helfer/-innen zu planen, ist nicht ohne und wird mittlerweile durch ein Softwareprogramm unterstützt. Sechs Ehrenamtler werden pro Schicht benötigt. Verstärkung kann das Team immer gebrauchen. Der Verkauf läuft gut und das muss er auch, denn die monatliche Belastung für den Standort in Höhe von 2.700 Euro wird gerade mal zu einem Drittel durch den städtischen Zuschuss (9.000 Euro jährlich) gedeckt. Da kommen Finanz-Spritzen, wie unlängst durch die Freie evangelische Gemeinde und die Gemeinschaftsgrundschule Unterhaan, nicht ungelegen. 

Eckdaten 

Bis Mitte 2013 wurde die Kleiderkammer bereits vom SKFM e.V. betrieben. Damals musste die Leistung auf Grund räumlicher Probleme eingestellt werden. Es ist dem Engagement einer privaten Initiative zu verdanken, dass die Kleiderkammer ein Comeback feiern konnte. Unter den Aktiven sind sowohl Schüler als auch über 80-Jährige. Wer regelmäßig Zeit hat und das Team bei seinen vielschichtigen Aufgaben unterstützen möchte, kann telefonisch (0157 / 50 39 85 81) oder per E-Mail (info@kleiderkammer-haan.de) Kontakt aufnehmen. Auf der Internetseite (www.kleiderkammer-haan.de) findet man weitere Infos, auch welche Spenden aktuell benötigt werden. 

Der Verkauf ist immer montags, dienstags und donnerstags von 9.30 bis 11.30 Uhr geöffnet, sowie dienstags und donnerstags zwischen 15.30 und 17.30 Uhr. Ähnlich sind auch die Zeiten für das Spendenlager, das zusätzlich montags von 19.30 und 20.30 Uhr sein Rolltor hochfährt und jeden 2. Samstag im Monat von 9.30 bis 11.30 Uhr.

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