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Die Haaner Kleiderkammer: Neuer Standort, neues Glück

Als unverzichtbare Einrichtung ist das Warenhaus für Bedürftige auf dem Weg in die Selbständigkeit

Haan. (BL). Die Haaner Kleiderkammer musste in den letzten Jahren einige Veränderungen wuppen und riesige Projekte wie die Versorgung der Menschen aus dem Flüchtlingsstrom stemmen. Dem Einsatz vieler tatkräftiger Ehrenamtler ist es zu verdanken, dass das alles auf einem überaus hohen Niveau gewährleistet werden kann.

In den zurückliegenden Wochen hieß es erneut: Kisten packen für den Umzug. Seit dem  23. Oktober bedient die Kleiderkammer ihre Kunden an der Friedrich-Ebert-Straße 111-117; ist in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren vom Zentrum nach Unter- und jetzt nach Oberhaan gezogen. Samstag gab es eine Art Tag der offenen Tür und das Haus war voll. Denn längst wissen das Angebot der Kleiderkammer viele Menschen aus der Stadt zu schätzen. Sylvia Hellrung beispielsweise bringt eigene ausrangierte Kleidung in die Kleiderkammer und stöbert dort auch selbst gern. »Ich möchte das Projekt unterstützen und damit auch etwas für andere tun«, beschreibt die Haanerin. Auch der Recycling-Gedanke gefällt der Verkäuferin. Die meisten Sachen sind zu gut, um in der Tonne zu landen: »Außerdem sind die überschüssigen Farbstoffe schon ausgewaschen«, betont eine weitere Kundin. 

Ein Warenhaus für alle

Brigitte Hausdorf, Sprecherin des rund 90-köpfigen Kleiderkammer-Teams, freut sich: »Immer mehr alteingesessene Haaner finden den Weg zu uns.« 2016 waren unter den 450 monatlichen Kunden 70 Prozent Flüchtlinge und 30 Prozent Alteingesessene. 2017 ist die monatliche Kundenzahl auf 500 angestiegen und das Verhältnis hat sich auf jeweils 50 Prozent verschoben. Eine wichtige Botschaft für die Kleiderkammer, auch mit dem Blick auf eine gelungene Integration, so Brigitte Hausdorf. Jeder kann und darf in dem Kaufhaus für sozial schwächer gestellte Menschen einkaufen. Die Bedürftigkeit wird nicht überprüft. Dennoch gibt es Richtlinien, die hängen an der Eingangstür. Wiederverkäufer seien zum Beispiel nicht erwünscht, so Brigitte Hausdorf: »Wir haben da schon ein Auge drauf«, betont die engagierte Helferin und ist froh, dass auch das Spendenaufkommen von Kleidung und Hausrat in Haan nach wie vor groß ist. Dabei bleiben die immer gleichen Probleme bestehen: Herrenkleidung in kleinen Größen ist so ein Dauerbrenner.

Der Weg in die Selbstständigkeit

Der Träger der Einrichtung, der SKFM Haan e.V., hat bereits im Sommer beschlossen, die Trägerschaft aus personellen Gründen zum Jahresende zu beenden, so Brigitte Hausdorf: »Um die soziale Arbeit trotzdem fortsetzen zu können, macht sich die Kleiderkammer selbständig. Dazu wird eine gemeinnützige GmbH gegründet.« Ab Januar 2018 soll diese rechtsfähig sein. Zu den zehn Gesellschaftern werden Menschen aus dem Leitungsteam der Kleiderkammer sowie die Bürgerstiftung für Haan und Gruiten zählen. Die Mitarbeiter werden nach wie vor ehrenamtlich zum Einsatz kommen. 2.700 Euro Mietkosten (inklusive Nebenkosten) sind allein Monat für Monat aufzubringen. Bei einer Verkaufs-Öffnungszeit von zehn Stunden in der Woche, ist das kein leicht zu erzielender Umsatz, zumal die Preise für das Sortiment nicht erhöht wurden. Der städtische Zuschuss für die Kleiderkammer beträgt gerade Mal 15.000 Euro im Jahr. Daher ist das Unternehmen auch weiterhin auf Spenden angewiesen. 

Die Kleiderkammer Online

Die Öffnungs- und Spendenannahme-Zeiten der Kleiderkammer sowie besondere Spendenwünsche finden Interessierte auf der Internetseite: kleiderkammer-haan.de 

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