Nicole Marschall

»Wir müssen Aufgaben ideell angehen«

Klimaschutz als gesellschaftliche und technische Herausforderung

Erkrath. Region (NM). »Die Sonne scheint nur tagsüber und Wind weht auch nicht immer. Energie brauchen wir aber rund um die Uhr«, fasst Christian Brosig die Herausforderung der Energiewende zusammen: Wie lassen sich erneuerbare Energien speichern und genau dann nutzen, wenn wir sie brauchen? Diese Fragen treiben Brosig schon seit seiner Masterarbeit an, für die er 2016 vom Kölner Bezirksverein des Vereins Deutscher Ingenieure e.V. (VDI) einen Förderpreis (3. Platz) erhielt.

Jetzt erforscht Christian Brosig als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Hochschule Köln gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut, Werusys Industrieinformatik und den Stadtwerken Bonn die Möglichkeiten, die eine Vernetzung verschiedener Energiesektoren für die Speicherung erneuerbarer Energien – und damit auch für die Versorgungssicherheit – bieten können. Seine Arbeit erklärt er Laien anhand leicht verständlicher Fragen: »Was passiert, wenn viele private Haushalte und die Industrie gleichzeitig Strom verbrauchen? Welche Herausforderungen kommen durch erneuerbare Energien künftig auf unsere Netze zu? Halten bestehende Leitungen das aus?« Um entsprechende Lastprofile zu erstellen, führen Brosig und seine Kollegen nicht nur virtuelle Simulationen durch: Als ganz reales Modell dürfen sie das Stromnetz der Rheinischen Netzgesellschaft für ihre Analysen nutzen. Diese detaillierte Betrachtung macht ihre Arbeit sehr umfangreich, gibt ihr aber auch ein Alleinstellungsmerkmal. Ziel des auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekt ES-Flex-Infra ist die Entwicklung eines Software-Prototypen, mit dem Energieversorger oder auch Stadtplaner ihre Energiespeicherung und -verteilung optimieren können.

Herausforderung Klimaschutz
Bei all seiner Technikbegeisterung steht für den jungen Wissenschaftler eines ganz klar im Fokus: »Mich beschäftigt die größte Herausforderung vor der die Menschheit gerade steht: der Klimawandel«, sagt er: »Hier kann man gerade als Ingenieur noch viel bewirken! Viele technische Möglichkeiten werden heute noch gar nicht genutzt. Wir brauchen mehr Ingenieure, die den Mut haben in Richtung Nachhaltigkeit zu gehen – die einfach ideeller an ihre Aufgaben rangehen und auch mal den aktuellen Stand der Technik hinterfragen.« Der 29-Jährige sieht hier eine grundlegende Transformation der Gesellschaft hin zu einem umwelt- und klimafreundlicheren Leben als entscheidend an: »Wir müssen beim Einzelnen anfangen und den Endverbraucher ebenso in die Pflicht nehmen wie die Politik.«

Wirtschaftsfaktor Umweltschutz
Ganz ähnlich sieht das auch Horst Behr, kommissarischer Vorsitzender des VDI Kölner Bezirksvereins: »Man kann technischen Fortschritt nicht ohne gesellschaftlichen Fortschritt denken. Dabei haben Ingenieure eine besondere Stellung: Ohne sie ist kaum ein globales Problem lösbar, ohne sie kann aus politischem Willen nichts Konkretes erwachsen.« In einer Zeit, die von Ressourcenknappheit, Klimawandel und dem notwendigen Erhalt unserer Lebensgrundlagen bestimmt ist, werden Ingenieure die Verschmelzung von Ökonomie und Ökologie aktiv mitgestalten, so der Diplom-Ingenieur. In den Umwelt- und Klimaschutz zu investieren, sieht er nicht nur als gesellschaftliche Verantwortung, sondern auch als wirtschaftlichen Erfolgsfaktor: Wo investiert wird, entstehen riesige Chancen wie Technologieführerschaft, Marktführerschaft, Vollbeschäftigung und Haushaltsüberschüsse. »Möglicherweise«, so Behr optimistisch, »werden Ingenieure letztlich die Welt retten, weil man damit gutes Geld verdienen kann.«

VDI Förderpreis
Christian Brosig kam 2016 mit seiner Masterarbeit auf den 3. Platz der VDI Förderpreisverleihung. Dieses Jahr verleiht der VDI Kölner Bezirksverein e.V. den Preis zum 35. Mal. Die Preise werden am 12. Oktober vergeben.

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