Nicole Marschall

Was heute das Smartphone ist, war damals die Taubenzucht

Rassegeflügelzüchter-Verein wird 60 Jahre alt – und stellt im Bügerhaus Hochdahl wieder seine Tiere aus

Erkrath. (NM). Nach zwei Jahren Pause kann der Rassegeflügelzüchter-­Verein Erkrath – zum 60-jährigen Bestehen des Vereins – im Oktober wieder seine Tiere im Bürgerhaus Hochdahl präsentieren. Die Züchter zeigen diverse Hühner-, Tauben- und Wassergeflügelarten

»Zwei Jahre konnten wir im Bürgerhaus keine Ausstellung durchführen«, erzählt Karl Wahnemühl, Vorsitzender des Rassegeflügelzüchter-Vereins Erkrath 1957 e.V. 2015 war das Bürgerhaus als Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge reserviert, ein Jahr später konnte die Stadt dem Verein keine verbindliche Zusage geben. »Als diese kam, waren wir nicht vorbereitet«, bedauert der passionierte Taubenzüchter. Und nur kurze Zeit später legte das Vogelgrippevirus H5N8 alle Geflügelschauen auf Eis.

Umso glücklicher sind Wahnemühl und seine Züchterkollegen, dass sie zum 60-jähringe Bestehen ihre Zuchterfolge wieder der Öffentlichkeit zeigen können. Dabei hoffen sie auch, Nachwuchs zu finden: »Ausstellungen sind die einzige Möglichkeit, auf unsere Tätigkeit hinzuweisen. Früher liefen die Hühner auf der Straße rum, die Tauben flogen frei. Wer heute Geflügel züchtet, hat seine Tiere hinterm Haus im Garten. Man sieht sie nicht mehr.« Aktuell zählt der Verein 18 Mitglieder, davon sieben aktive Züchter.

Zwei von ihnen züchten Tauben, zwei Zwerghühner, zwei Hühner und Wassergeflügel und einer »hat alles«, schmunzelt Wahnemühl, der selbst Komorner Tümmler, eine Rassetaubenart aus Ungarn, züchtet. Aktuell hat er 78 Tauben. Bis vor wenigen Jahren züchtete er auch Dänische Tümmler, musste die Anzahl seiner Tiere dann aber aus gesundheitlichen Gründen stark reduzieren. »Wer sich mit lebenden Tieren beschäftigt, muss auch ein Leben lang für sie sorgen«, sagt er, »da muss die Versorgung auch beispielsweise während des Urlaubs oder Klinikaufenthalten geregelt sein.«

Tauben zu halten, war das Größte

Angefangen hat Karl Wahnemühls Züchter­leidenschaft schon als Kind. Zuerst hatte er Zwerghühner, dann kamen Kaninchen hinzu. »Das Größte war damals, Tauben zu haben«, erinnert er sich und fügt schmunzelnd hinzu: »Das war für uns Kinder damals so, wie heute ein Smartphone zu besitzen.« Also kamen Rasse- und Brieftauben hinzu. Bis 1956 nahm er mit seinen Tieren an Wettflügen teil, gab den Taubensport dann aber aus Zeitmangel auf. »Früher gab es sehr viele Geflügelhalter, vor allem natürlich zur Selbstversorgung. In Zeiten des Aufschwungs gaben dann viele ihre Zuchten auf. An Stelle des Hühnerstalls oder Taubenschlags wurden Garagen gebaut.« Die 1970er Jahre waren eine gute Zeit für den Erkrather Rassegeflügelzüchter-Verein: Die Gemeinschaftszuchtanlage »Geflügelgarten an der Gink« mit 16 Zuchtplätzen und das Vereinshaus »Gluckenheim« wurden eingeweiht und viele Veranstaltungen, darunter zwei Kreisverbandsschauen, ausgerichtet. 1988 musste die Gemeinschaftszuchtanlage aufgrund der Umwidmung des Gebiets in Bauland aufgegeben werden. Die Stadt Erkrath unterstützte zunächst die Idee, eine Kleingarten- und Kleintierzuchtanlage südlich des Steinhof zu errichten, investierte rund 250.000 D-Mark in die Planungen – und strich das Projekt dann ersatzlos.

Zurück zur Selbstversorgung?

Aktuell registriert der Verein die Zunahme an Privatpersonen, die heute wieder Legehennen halten. Vielleicht ein Schritt zurück zur Selbstversorgung und einem gesünderen, naturnahem Leben. Vielleicht aber auch ein erster Schritt zur eigenen Zucht.

 

ZUR AUSSTELLUNG

Die Rassegeflügelschau im Bürgerhaus an der Sedentaler Straße 10, ist am kommenden Samstag von 15 bis 21 Uhr und am Sonntag von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

 

 

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