Nicole Marschall

Para-Weltmeisterin macht Mädchen Mut

Irmgard Bensusan trainierte mit Kindern aus ihrer Heimat

Erkrath. Region (NM) Irmgard Bensusan stammt aus Südafrika. Dort war sie als Sprinterin sehr erfolgreich – bis ein Unfall beinahe ihr sportliches Aus bedeutet hätte. Seit 2014 ist sie in Deutschland und trainiert in der Behindertensportabteilung des TSV Bayer 04 Leverkusen. Im September bekam sie überraschenden Besuch aus ihrer Heimat.

»Ich habe oft Heimweh. Meine Familie vermisse ich jeden Tag«, gibt Irmgard Bensusan zu. Mit ihren Geschwistern telefoniert die aus Südafrika stammende Para-Leichtathletin des TSV Bayer 04 Leverkusen fast täglich. Zeit, nach Hause zu fliegen, wird sie sich erst im November wieder nehmen können – dann nämlich heiratet ihr Bruder. »Man verpasst viel, aber nicht die Hochzeit des eigenen Bruders«, sagt sie bestimmt. Einziger Wermutstropfen: Dafür wird sie Weihnachten in Deutschland bleiben müssen – weit weg von ihrer Familie.

Unfall veränderte ihr Leben

Bei den Paralympics in Rio de Janeiro holte die Sprinterin im vergangenen Jahr gleich drei Silbermedaillen: Auf den Distanzen über 400, 200 und 100 m kam sie jeweils auf den zweiten Platz. Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2017 gewann sie Gold über die 400 m. Dass Irmgard Bensusan heute wieder sportliche Erfolge feiern kann, schien lange Zeit nicht selbstverständlich. In ihrer Heimat nahm sie als Juniorin an nationalen Wettkämpfen teil, doch 2009 – im Alter von 18 Jahren – stürzte sie beim Hürdenlauf und erlitt starke Verletzungen am Knie, die eine dauerhafte Nervenschädigung nach sich zogen. »Seither habe ich kein Gefühl mehr im Unterschenkel«, erzählt sie: »Ich habe lange gebraucht, damit klar zu kommen, denn ich liebe das Laufen und wollte unbedingt weitermachen.« Auf Wettkampfniveau weiter zu laufen war nach dem Unfall nicht mehr möglich. Als Behinderung wurde die Nervenschädigung in Südafrika jedoch nicht anerkannt, sodass ihr zunächst auch der Weg in den Behindertensport verwehrt blieb.

Neuanfang im Behindertensport

Ihre deutsche Mutter nahm schließlich Kontakt zum Deutschen Behindertensportverband (DBS) auf und so kam Bensusan zum TSV Bayer 04 Leverkusen. »In Deutschland stufte mich die gleiche Prüferin als behindert ein, die in Kapstadt die Klassifizierung nicht anerkannt hatte«, erzählt sie kopfschüttelnd. In Leverkusen profitiert Bensusan von hervorragenden Trainingsmöglichkeiten. »Von Land zu Land sind die Trainingsbedingungen ganz unterschiedlich. Viele wissen gar nicht, welche Vorteile wir hier in Deutschland haben: Training in der Halle, professionelle Trainer und Physiotherapeuten«, zählt sie Dinge auf, die sie aus Südafrika so nicht kannte.

Überraschender Besuch aus der Heimat
Sowohl die gigantische Leichtathletikhalle des TSV als auch Irmgard Bensusans Geschichte beeindruckte auch Soya (11), Titi (13) und Vuvu (11) – überraschender Besucher aus Südafrika, der sich im September bei der Para-Weltmeisterin anmeldete. Die drei Mädchen aus den Townships von Johannesburg waren auf Einladung der Kölner Wirtschaftsbotschafterin und Unternehmerin Nelly Kostadinova eine Woche in Köln, um neue Eindrücke, Chancen und Möglichkeiten zu sammeln. »Ich halte es für wichtig, die Mädchen früh zu inspirieren und zu ermutigen, ihren Weg zu gehen und ihre Träume zu verfolgen«, so die Unternehmerin: »Irmgard Bensusan ist so eine Inspiration.« Die Sportlerin war von dem Treffen mit ihren jungen »Landsdamen« selbst sehr bewegt und nahm sich viel Zeit für sie. Die Mädchen trainierten begeistert mit und nutzen die Chance, sich vor ihrem langen Rückflug noch mal ordentlich auszupowern.

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