15.05.2013
Grüne Politik auf dünnem Eis
Es gilt in Deutschland als sakrosankt, Umweltschutzbemühungen zu kritisieren. Schon wer hinterfragt, ob Solardächer, Heizpilz-Verbote oder Windräder nicht nur wirtschaftlich sondern auch ökologisch sinnvoll sind, gerät schnell in den Ruf eines verbalen Umweltzerstörers. Dabei weiß jeder, dass Umweltschutz keine geschlossene Veranstaltung ist, will heißen, dass deutsche alternative Energien, wenn schon nicht für die Welt, dann zumindest für unser Land (lebens-) wichtig sind. Aber es weiß auch jeder, dass Umweltverschmutzung keine Grenzen kennt. Wenn in Russland ein Atomkraftwerk in die Luft fliegt, landet der radioaktive Niederschlag vor unserer Haustür. Allerdings wird völlig ausgeblendet, dass Deutschland alleine die Welt nicht retten kann. Umso spannender ist deshalb die Frage, wie sich in einer den Globus umfassenden Umwelt die deutschen Bemühungen überhaupt bemerkbar machen. Diese Ergebnisse sind ziemlich ernüchternd. Nach Berechnungen der Bundesregierung soll der CO2-Ausstoß innerhalb der nächsten 20 Jahre um bis zu 13 Millionen Tonnen p.a. gesenkt werden. Bezieht man diesen Wert in die Berechnungen aktueller Klimamodelle ein, ergibt sich ein Temperaturrückgang von weniger als 0,0001 Grad pro Jahr!!
Denn das, was Deutschland an CO2-Ausstoß in den kommenden Jahren reduzieren möchte, wird alleine in den Schwellenländern China und Indien mühelos durch Mehrausstoß wettgemacht. Unsere Bemühungen als Umweltschutzweltmeister entpuppen sich damit als Farce. Wir können noch so viele Milliarden in neue Umwelttechniken stecken, wenn der Rest der Welt nicht mitmacht, und der Rest der Welt macht so gut wie nicht mit, dann nutzt das am Ende weder uns noch der Umwelt. Es ist längst an der Zeit, dass Diskussionen über Umweltschutzmaßnahmen frei von Ideologien geführt werden. Das geht schon damit los, was tatsächlich passiert, wenn die Erdtemperatur um zwei, drei oder gar vier Prozent steigt. Es mag ja sein, dass in Küstennähe Land dauerhaft unter Wasser steht. Aber wäre das wirklich so schlimm, wenn gleichzeitig Sibirien zur neuen Kornkammer der Welt wird? Der Preis, den wir für Umweltschutz bezahlen, sollte es uns allerdings wert sein zu überlegen, ob die diskutierten Maßnahmen das viele Geld wirklich wert sind.
Walter Thomas
mitspitzerfeder@WOCHENPOST.de