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Wird Reisholzer Hafen zur Logistik-Drehscheibe?

Bürgerinitiative stellt sich gegen die Ausbaupläne

Benrath. /Reisholz (AK). Schon seit Jahren plant die Stadttochter Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz AG (IDR), das Hafengelände im Bereich Am Trippelsberg und Reisholzer Werfstraße für den Güterverkehr auf dem Rhein aufzubauen. Anlieger befürchten dadurch mehr Lärm und LKW-Verkehr sowie Umweltbelastungen. Hinzu kommt, dass das Thema keine lokale Angelegenheit mehr ist.

Die IDR soll eine Hafen Düsseldorf-Reisholz Entwicklungsgesellschaft mbH gründen und 50 Prozent der Anteile an die Neuss-Düsseldorfer Häfen GmbH & Co. KG (NDH) übertragen. Zusammen sollen die beiden Gesellschaften den Hafen in Reisholz zu einem neuen Containerumschlagplatz für Unternehmen aus dem Düsseldorfer Süden ausbauen. So hat es die Mehrheit des Stadtrates beschlossen. Erste Aufgabe der neuen Gesellschaft wird eine Machbarkeitsstudie zur Verkehrsführung und -belastung sowie zum Natur- und Umweltschutz sein.

Die Wirtschaft freut sich: »Angesichts des zunehmenden Güterverkehrs wird der Transport auf dem Wasser immer interessanter, denn hier gibt es noch freie Kapazitäten, die auch sofort verfügbar wären«, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Gregor Berghausen. »Dafür bedarf es moderner Logistikkonzepte und Hafenanlagen, wie sie in Reisholz umgesetzt werden können.«

In Düsseldorf sei die Obergrenze der Kapazitäten erreicht, erklärt Andreas Hamm von der NDH-Geschäftsleitung. Ein Hafenausbau würde zudem die Straßen entlasten. In Reisholz gebe es dafür noch reichlich Potenzial. 35 von 108 Hektar des ungenutzten Hafengeländes sollen deshalb verplant werden Die dort ansässigen Ateliers sollen unberührt bleiben.

Die Mitglieder der Initiative »Hafenalarm« trauen den Planungen nicht: Der Verkehr werde zunehmen, befürchten sie. »Schon jetzt ist die Situation unvertretbar«, erklärt Georg Huff. »Langfristig werden die Naherholungs- und Wohngebiete in Itter, Himmelgeist und Benrath zerstört.« Zudem könnten die Grundstücke an Wert verlieren, und die Gefahren von Schiffs-Havarien auf dem Rhein würden steigen.

Misstrauisch ist die Initiative außerdem, weil ein Verkehrsgutachten der Ingenieurgruppe IVV Aachen bislang unter Verschluss gehalten wird – und der Rat trotzdem »Grünes Licht« für die Gesellschaftsgründung gegeben hat. Ältere Zahlen von 2012 gehen von 800 LKW-Bewegungen pro Tag auf den Gewerbegebietsstraßen zwischen Hafen und Henkel-Chemiepark sowie zehn Zügen pro Tag auf der Bonner Straße aus. Könnten die aktuelleren Daten höher sein? »Das Verkehrsgutachten muss erst noch die Fachämter und die Aufsichtsräte durchlaufen, bevor es öffentlich gemacht wird«, sagt Andreas Hamm von der NDH.

Für das Budget der Machbarkeitsstudie veranschlagt die Stadt 700.000 Euro, 50 Prozent davon sollen aus EU-Mitteln gefördert werden, heißt es in dem Ratsbeschluss. Die restlichen Kosten sollen sich die beiden Gesellschaften teilen. »Reine Steuergeldverschwendung«, findet Georg Huff.

Hinzu kommt, dass auch die Landesregierung das Projekt befürwortet – und in größeren Dimensionen denkt: Am Montag stellte NRW-Verkehrsminister Michael Groschek sein Hafenkonzept im Bundesverkehrswegeplan 2030 vor. Darin schreibt er dem Ausbau der Wasserstraßen und Schifffahrtslogistik eine besondere Bedeutung zu: »Eine stärkere Nutzung der Binnenschifffahrt kann einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der klimapolitischen Ziele des Landes leisten«, heißt es in dem Bericht. Wasserfahrzeuge sind demnach »klimafreundliche Verkehrsträger«. Im Maßnahmenkatalog spielt auch der Reisholzer Hafen eine wichtige Rolle: »In Neuss und Düsseldorf besteht ein erheblicher Mangel an Flächen. (…) Große Potenziale erwachsen aus der Erweiterung des Reisholzer Hafens zu einer modernen Logistik-Drehscheibe. Dies unterstreicht auch die angestrebte Beteiligung durch die Seehäfen Rotterdam und Antwerpen.« Laut dem Landeskonzept sollen nicht nur ein Container-, sondern auch ein Schwer- und Massengutumschlag entstehen, der »insbesondere der Ver- und Entsorgung der Chemie- und Maschinenbauindustrie der Region« dient. »Im Umfeld erfolgen bereits Ansiedlungen, welche die dortige Möglichkeit zur Schwergutverladung nutzen wollen.« Die Handlungsempfehlungen lauten demnach: Erhöhung der Kapazitäten, Verlängerung der Gleislängen zur Aufnahme längerer Züge (EU-Ziel: 740 Meter), Verbesserung der verkehrlichen Anbindung, Beantragung von Fördermitteln für die Planung.

Die Initiative »Hafenalarm« sieht in dieser Ankündigung ihre Befürchtungen mehr als bestätigt: Es sei deutlich geworden, »dass die Behauptungen der Düsseldorfer Politiker, der Hafenausbau würde nur für den lokalen Bedarf und nach den örtlichen Möglichkeiten ausgerichtet, brutal überrannt werden sollen«, sagt Pressesprecherin Birgit Götz. Mit den Landesplänen einher geht zudem eine Rheinvertiefung: »Sachverständige haben uns erklärt, dies werde die angrenzenden Auen beschädigen. Und durch das Absenken des Grundwassers werden die Feuchtgebiete Zonser Grind und die gerade mit EU-Mitteln renaturierte Urdenbacher Kämpe gefährden«, so Götz.

Wie geht es nun weiter? Am 15. April stimmt noch der Neusser Stadtrat über die Gründung der Hafenentwicklungsgesellschaft ab. Am 28. April und 24. Mai beraten jeweils die Aufsichtsräte der Stadtwerke Düsseldorf und Neuss über das Thema, im Juni soll die Gesellschaftsversammlung der NDH tagen. Dann kann die Gesellschaft gegründet werden.

Derweil wird die Initiative »Hafenalarm« am 2. Mai um 19.30 Uhr ihre nächste Vollversammlung im Pfarrsaal Itter, Am Broichgraben 73, abhalten.

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