IT

»Wir sind hier kein Klüngelsclub«

Melina Schulze blickt auf ein Jahr als Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Benrath zurück

Benrath. Wenn sich im Stadtteil rund um das Schloss in Sachen Veranstaltungen, Verschönerungen, Veränderungen etwas bewegt, hat das in vielen Fällen mit der Aktionsgemeinschaft Benrath zu tun. Melina Schulze ist dort seit rund anderthalb Jahren Vorsitzende. Wir wollten wissen, wie ihre bisherige Bilanz ausfällt und was noch kommt.

Von Marcus Italiani

»Ich wohne ja eigentlich hier«, sagt Melina Schulze, als wir sie zum Jahresgespräch im Cafe La Corte treffen. Termine nimmt sie nicht in ihrem winzigen Büro wahr. »Da ist es noch immer etwas zu eng und unübersichtlich« findet sie. Und überhaupt. Sie ist eh immer unterwegs in ihrem Viertel. »Ich bin immer erreichbar. Egal ob telefonisch oder persönlich«, sagt sie. Und das kommt offenbar an. So konnten in ihrer bisherigen Amtszeit schon einige neue Mitglieder gewonnen werden. »Der Erhalt des Verbandes steht an erster Stelle. Und dem geht es eben darum, den Stadtteil nach vorne zu bringen.« Doch zu Beginn musste Melina Schulze erst in  die neue Aufgabe hineinwachsen. »Eigentlich ging es von Mitte 2016 bis Weihnachten nur darum, mich in das Amt hineinzuarbeiten. Der Weihnachtsmarkt war dann die erste Herausforderung. Danach ging es erst richtig los. Ich habe versucht, unsere Veranstaltungen zu optimieren. In Düsseldorf gibt es so viele verschiedene Events, dass man den Leuten wirklich etwas bieten muss, das sie gerne nach Benrath kommen lässt.« Also sammelte Melina Schulze Ideen, die ihr in Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern oder AGB-Mitgliedern zugetragen wurden. »Viele Vorschläge haben wir aufgenommen und die Veranstaltungen verändert. Zum Beispiel den Maimarkt - und auch der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr wird ein neues Kleid bekommen. Dafür braucht man aber Geld, das man allein durch Mitgliedsbeiträge nicht stemmen kann. Einige Unternehmen konnte ich bislang überzeugen, zu helfen. Bei anderen ist es schwieriger.«

»So bin ich nun mal«

Manchmal trifft die AGB-Vorsitzende auch auf eingefahrene Strukturen und Vorurteile, die sie aber umgehend entkräftet: »Wir sind kein Klüngelsclub, sondern wollen professionell und strukturiert arbeiten. Wir setzen uns für Unternehmen und Menschen in dem Stadtteil ein - das ist eine wichtige und ernste Angelegenheit. Wenn meine Arbeit schlecht ist, kann man mir das sagen, damit komme ich klar. Klüngel und Intransparenz kann ich hingegen nicht leiden. So bin ich nun mal.«

Eine der Überzeugungen hat etwas mit dem direkten Miteinander der Mitglieder zu tun: »Die Kommunikation musste besser werden. Mir ist der Erhalt von Brauchtum und Traditionen wichtig, aber ohne dabei gestrig zu sein. Die Mischung aus Kommunikation, Gemeinschaft und Umsetzung ist die größte Herausforderung in diesem Amt.«

Und die nimmt sie gerne an. Einiges konnte auf diese Art bereits angeschoben werden. »Jetzt merke ich erst, dass es losgeht. Wir haben zum Benrather Markt eine direkte Verbindung durch einen Marktsprecher erhalten, was eine schöne Sache ist. Der Maimarkt und die Wahl der Maikönigin waren Erfolge. Andere Sachen kann man verbessern. So sollte der Rote Teppich an eine Veranstaltung gekoppelt werden. Für mich gehören Schloss, Dorf, Markt und Paulsmühle zusammen. Den Stadtteil kann man nicht in Teile spalten. Das macht keinen Sinn.« 

Weihnachtswunschbaum-Aktion

Die Weihnachtswunschbaumaktion für bedürftige Kinder wird ebenso fortgesetzt wie die Unterstützung des Frauenhauses. Ein Brauchtumsfrühstück wird im Frühjahr mit der Maikönigin stattfinden. Der Maimarkt soll erweitert werden. An die Stelle von »Benrath liest« wird zudem ein kulturelles Angebot treten. 

Die Ideen scheinen Melina Schulze noch lange nicht auszugehen. Impulse holt sie sich auch beim Besuch von Veranstaltungen in anderen Städten. Das alles kostet Zeit und Herzblut. 

Die WochenPost ist schuld

Dabei ist sie eher durch Zufall an den Job gekommen. »Ich hatte Elternzeit und bin täglich mit dem Kinderwagen durch die Weltgeschichte gezogen. Irgendwann besuchte ich meine Eltern und fand dort die WochenPost, wo ich auf der Titelseite las, dass meine Vorgängerin nicht mehr antreten wolle. Mein Stiefvater fragte dann, ob das nichts für mich wäre. Der Rest ist bekannt.« 

Bereut hat sie den Schritt noch nicht.: »Es macht ja auch viel Spaß. Und wenn man sieht, dass z.B. die Schützen für den Lohn von 15 Nutellabrötchen das Kinderfest aufgebaut haben, dann geht einem doch das Herz auf. Ich denke wirklich, wir sind auf einem guten Weg.«.

Kontakt zur AGB

Die Aktionsgemeinschaft Benrath ist unter Tel. 0211 1796613 für Fragen und Anregungen zu erreichen.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.