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Wird Düsseldorf fahrradfreundlicher?

OB Geisel kündigte bei Sternfahrt ein Umdenken an

Düsseldorf. (AK/bu). Einmal im Jahr besteht die massenweise Ansammlung an Fahrzeugen in der Innenstadt nicht aus Autos, sondern Fahrrädern – wenn der Allgemeine Deutsche Fahrradclub seine Sternfahrt veranstaltet. Die Demo soll ein Zeichen setzen für eine bessere Infrastruktur und Radkultur in Großstädten wie Düsseldorf. Auch im Süden gibt es einige offene Baustellen, sagt der ADFC.

Ein kilometerlanger Tross aus rund 2.000 Radfahrern hat am Samstag das Stadtbild beherrscht. Eskortiert von der Polizei ging es einmal kreuz und quer durch das Zentrum – eben sternförmig. Ein Novum dabei – so die ADFC Düsseldorf-Vorsitzende Iris Kösters: Der Oberbürgermeister übernahm die Schirmherrschaft. Das Amt bekleidet bekanntlich seit Herbst der Sozialdemokrat Thomas Geisel, der sich bei der Kundgebung auf der Rheinuferpromenade als leidenschaftlicher Radfahrer präsentierte. Unter der vorherigen CDU- und FDP-Mehrheit im Rat fühlte sich der ADFC stets vernachlässigt, was die Verkehrspolitik zugunsten ihrer Klientel angeht. »Ja, es gibt viele Beschwernisse in Düsseldorf«, so OB Geisel. »Aber es findet derzeit ein Umdenken statt. Die Politik kann sich dem Trend zum Fahrrad nicht verschließen.« Das wertet der ADFC als Zeichen, dass die Infrastruktur verbessert werde, beispielsweise durch mehr Radwege, Ausschilderungen und Stellplätze.

In seinem anschließenden Vortrag erläuterte der Verkehrswissenschaftler Prof. Heiner Monheim aus Trier den Wandel der vergangenen Jahre: »Lange Zeit galt es als Tabuverletzung, wenn auf der Straße Platz für Radfahrer geschaffen wurde.« Der Autoverkehr sollte Vorrang haben. Dabei könnten 30 Prozent des städtischen Straßenraums sofort für den Radverkehr nutzbar gemacht werden, ohne den Autoverkehr einzuschränken. »Das Rad galt in den 70er und 80er Jahren außerdem als Fahrzeug der Nahmobilität«, ergänzte Monheim. Dass man auch längere Strecken absolvieren könne, sei dabei nie berücksichtigt worden. Nun aber steigen immer mehr Menschen auf das Fahrrad als Alternative zum motorisierten Fortbewegungsmittel um. Der ADFC Düseldorf fordert daher: Bessere Hauptrouten quer durch die Städte, breite Radwege oder mehr Tempo 30-Zonen, freie und nicht zugeparkte Radwege, Fahrradparkanlagen in allen Stadtteilen.

Gerade im Innenstadtbereich ist die Situation für Radfahrer sehr problematisch. Aber auch im Düsseldorfer Süden gibt es viel Verbesserungsbedarf, meint ADFC-Mitglied Andrea Wimschneider aus Benrath: »In der Kurve der Schlossallee muss etwas passieren. Zwischen parkenden Autos und den Bahnschienen besteht eine hohe Unfallgefahr.« Wünschenswert wäre außerdem eine Öffnung der Fußgängerzone nach Ladenschluss.

Zwar ist der Süden relativ gut mit Radwegen ausgestattet, aber im Detail sieht Andrea Wimschneider noch einige Probleme: »Entlang der Frankfurter Straße in Garath gibt es doppelte Fußgängerampeln auf den Verkehrsinseln. Und auf dem Baumberger Weg in Richtung Monheim ragen die Baumwurzeln aus dem Asphalt heraus. Ich habe da schon einmal gesehen, wie ein Radfahrer beinahe gestürzt wäre.«

Es gibt aber auch positive Beispiele: »Am Benrather Schlossufer wurde die Radwegebenutzungspflicht aufgehoben. Jetzt dürfen die Radler auch die Straße benutzen«, so Andrea Wimschneider. Das sei insofern günstig, weil es auf den Rad- und Fußgängergassen immer wieder zu Engpässen komme. »Wir begrüßen auch, dass viele Einbahnstraßen für beide Fahrtrichtungen geöffnet sind – allerdings noch nicht alle«, ergänzt das ADFC-Mitglied. Etwa auf der Sophien-, Einsiedel-, Kaiser-Friedrich-, Gänse- und Drängenburger Straße würde sich das anbieten. »Es gibt auch viele Abstellmöglichkeiten – könnten aber noch mehr werden.«

Derweil teilt die Stadt Düsseldorf mit, dass das stadtweite Radhauptnetz ausgebaut werden soll. In Vorbereitung darauf will die Stadt in regelmäßigen, öffentlichen Veranstaltungen in einen offenen Dialog mit den Bürgern treten. Die erste Bürgerbeteiligung wird am Montag, 22. Juni, 19 Uhr, im Luisen-Gymnasium, Bastionstraße 24, veranstaltet. Dabei werden aktuelle Informationen zum Thema Radhauptnetz vermittelt und den Bürgern die Möglichkeit gegeben, im direkten Gespräch mit Fachleuten ihre Wünsche und Anregungen zu formulieren. Innerhalb des Radhauptnetzes sollen für Radfahrer – vergleichbar mit dem Hauptstraßennetz für Kfz-Verkehr – leicht erkennbare und möglichst umwegfreie Hauptverbindungen innerhalb der Stadt entstehen. Das Gesamtkonzept des Radhauptnetzes wurde mit Unterstützung von Fachleuten erarbeitet und in einem Gutachten dokumentiert. Die Umsetzung wird von der "Fachgruppe Radverkehr" begleitet, in der Verwaltung, Vertreter der Ratsfraktionen, des ADFC, des VCD, eines Planungsbüros und bedarfsweise Fachleute von Polizei, Rheinbahn und Fachverbänden zusammenarbeiten. Unter der Federführung des Amtes für Verkehrsmanagement tagt die "Fachgruppe Radverkehr" alle zwei Monate und bespricht die einzelnen Maßnahmen, Bausteine, notwendige neue Ansätze und eventuelle Pilotversuche. Um frühzeitig einen Konsens zu finden, werden die Bezirksvertretungen fortlaufend beteiligt und in den Umsetzungsprozess integriert. Die Umsetzung des Radhauptnetzes ist insgesamt als offener Prozess zu verstehen und mit der "Fachgruppe Radverkehr" zunächst für zwei Jahre vorgesehen.     

 

 

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