IT 1 Kommentar

Sind Sie bereit, Ihre Perspektive zu ändern?

Fotokünstlerin Jenny Klestil zeigt im Benrather Sana-Krankenhaus ihre vielbeachtete Ausstellung »Glück kennt keine Behinderung

Düsseldorf. (IT). Mit ihrer Fotodokumentation »Glück kennt keine Behinderung« sorgt die Leverkusener Fotografin Jenny Klestil seit zwei Jahren für Aufsehen. Nicht nur, weil die Wanderausstellung stetig wächst, sondern vor allem, weil sie den Fokus weder auf die Behinderung ihrer Models richtet, noch davon ablenkt. Zu sehen ist einzig das lebens- und liebenswerte Leben. Aktuell ist die Ausstellung im Benrather Sana-Klinikum zu sehen. Die WochenPost traf Jenny Klestil vor der Vernissage zum Gespräch.

Frau Klestil, wann haben Sie beschlossen, Menschen mit Down-Syndrom zu portraitieren und aus den Bildern eine Ausstellung zu machen?

Ich bin 2015 über den Welt-Down-Syndrom-Tag gestolpert und  habe mich eingehend mit dem Thema beschäftigt. Dabei ist mir aufgefallen, dass man im Zusammenhang mit Trisomie 21 viel zu häufig über Defizite und Belastungen spricht, aber nur selten über Glück, Freude und Stärken. Dem wollte ich auf den Grund gehen und zu diesem Tag Familien mit Down Syndrom porträtieren. Angefangen hat alles mit rund zehn Familien. Mittlerweile sind es über 700.

Das hat einerseits mit der Popularität der Ausstellung zu tun, aber andererseits auch mit einem ungewöhnlichen Ansatz.

Ja, das kann man so sagen. Anfangs kamen die Familien zu mir ins Studio um sich fotografieren zu lassen. Aktuell lerne ich Besucher der Ausstellungen kennen, die selbst das Down Syndrom haben und ich fotografiere sie dann direkt vor Ort, wenn sie es wünschen. Das macht die ganze Sache natürlicher und bringt die Lebensfreude und Energie der Menschen ungefiltert ans Tageslicht. Und darum geht es schließlich.

Warum ist Ihnen dieser Aspekt so wichtig?

Weil die Diagnose Down-Syndrom immer noch für gewaltige Missverständnisse sorgt. Die Abtreibungsrate ist mit 96 Prozent extrem hoch. Wenn ich hingegen erlebe?, was Menschen mit Trisomie 21 alles können und erleben, dann ändert das die Perspektive. Ich finde es erschreckend, wenn Ärzte vor der Belastung warnen, die ein Kind mit Down Syndrom für die Eltern bedeutet. Mittlerweile sind viele Ärzte der Intention meiner Ausstellung gegenüber aufgeschlossen. Deshalb wird sie ja auch oft in Kliniken gezeigt. Doch es gab auch schon mal eine Auseinandersetzung zwischen Klinikleitung und Pränataldiagnostikern, die verlangten, dass man die Bilder abhängt, weil sie sie den schwangeren Patientinnen nicht zumuten wollte. Wenig erstaunlich, dass gerade in dieser Klinik besonders viele Abtreibungen nach der Down-Syndrom-Diagnose stattfanden.

Ist Ihnen schon mal der Gedanke gekommen, dass die Ausstellung auch Gaffer anlocken könnte?

Die Behinderung steht auf den Bildern nicht im Vordergrund, daher gibt es auch so gut wie nie Probleme in dieser Hinsicht. Meine Fotos führen aber umgekehrt dazu, dass sich Menschen mit dem Thema beschäftigen und ihre eigenen Vorurteile hinterfragen. Und das scheint ja auch anzukommen. Mittlerweile melden sich viele Institutionen, die an der Ausstellung interessiert sind, von alleine. Egal, ob Uni, Kindergärten oder Kliniken. Mittlerweile waren die Bilder schon an 60 Ausstellungsorten zu sehen. Hier in Benrath hängen zurzeit rund 20 Bilder. Insgesamt sind immer rund 400 Stücke gleichzeitig unterwegs.

Was steht in Zukunft bei Ihnen an?

Das neue Projekt heißt »Glück liebt jedes Detail« und widmet sich Menschen mit allen Arten von Behinderungen. Die erste Ausstellung wird am 16. Juli in Prisdorf in einer Wohneinrichtung sein.

Artikel kommentieren

Kommentar von Das bunte Zebra
Ein toller Artikel zu Jennys Projekt! Ihr Projekt mit den Ausstellungen ist heute wichtiger denn je!

Zu Ihrem Projekt ist auch ein Buch erschienen:
Glück kennt keine Behinderung
Es kann zB unter www.das-bunte-zebra.com erworben werden.