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Seit Jahrzehnten in ganz eigenen Sphären unterwegs

Blind Guardian kehren zur Veröffentlichung ihres Live-Albums mit uns in die Stadt zurück, in der ihr »Wohnzimmer« steht

Düsseldorf. (IT). 24 Jahre ist es her, seit NRWs-Heavy Metal-Helden Nr. 1 ihr erstes Live-Album veröffentlichten. Damals noch als vielversprechende Jungspunde, haben die Herren aus Krefeld und Düsseldorf mittlerweile ordentlich an Popularität zugelegt. Das hört man nicht nur dem am 7. Juli erschienenen Live-Album »Live Beyond The Spheres« an, das es auf sage und schreibe drei CDs bringt.

Anfang Juli kehrten Hansi Kürsch (Vocals), André Olbrich (Lead Guitar) und Marcus Siepen (Rhythm Guitar) dorthin zurück, wo vieles angefangen hat und wo auch heute immer noch eine Art Familientreffen stattfindet: nach Düsseldorf. Wir schlenderten mit Marcus Siepen durch die Altstadtgassen, schwelgten aber beileibe nicht nur in Erinnerungen.

Marcus, was bedeuten dir Konzerte in Düsseldorf?

Düsseldorf ist für uns das Heimspiel. Auch, wenn wir vor dem Tour-Auftakt einen kleinen Gig in Krefeld hatten, ist das eigentliche Tournee-Highlight immer der Auftritt in der Philippshalle, oh – Pardon – in der Mitsubishi-Electric-Halle. Hier treffen wir unsere Familien, viele Freunde, sehr viele Fans. Die Bühne ist super, der Backstage-Bereich ebenfalls. Ich freue mich immer wieder auf die Gigs hier. Das gilt für die gesamte Band. 

Und das schlägt sich wahrscheinlich auch auf dem neuen Live-Album nieder, oder?

Auf jeden Fall. Ein großer Teil des Albums wurde in Düsseldorf mitgeschnitten. Die Stimmung eignet sich einfach perfekt dafür. 

Was waren denn früher deine Lieblingsläden in der Landeshauptstadt?

Es gab mal einen kleinen Laden, in dem wir auf einer Feier des Gitarrenherstellers ESP gespielt haben. Das war wunderbar dort, aber mir fällt der Name jetzt nicht ein. Ansonsten natürlich Papidoux und Café Litfass sowie auch damals schon die Philipshalle, wo ich alle Künstler gesehen habe, die ich damals sehen wollte.

Ihr werdet von manchen Leuten ja ein wenig despektierlich unter dem Terminus Fantasy-Metal abgeheftet. Hintergrund ist natürlich die lyrische Affinität zu Tolkiens Epen und artverwandten Themen. 

Ach ja, Schubladen. Als Musiker versucht man so etwas natürlich zu vermeiden, um nicht eingeschränkt zu werden. Wir sehen uns als Metal-Band und das war‘s. Es gab mal eine schöne Online-Diskussion darüber, wie man uns kategorisieren könne. Dort warfen die Leute immer wieder neue Musikstile ins Rund und diskutierten ewig lange, warum wir jetzt gerade Speed Metal, Epic Metal oder Power Metal machen würden. Sehr witzig, denn irgendwie hatten alle Recht. Wir haben zwar alle diese Elemente in unserer Musik, machen aber am Ende, was wir wollen. 

Das ist natürlich die typische Aussage eines erfolgreichen Musikers. Für Nachwuchskünstler hingegen machen Kategorien doch durchaus Sinn. Schließlich kann man die Leute damit dazu bringen, sich mit der Musik auseinanderzusetzen – oder nicht?

Kategorien machen Sinn, wenn sich die Leute über einen unterhalten sollen. Und klar – wir haben mit „Battalions Of Fear“ und „Follow The Blind“ definitiv als Speed Metal Band angefangen. Allerdings wurde relativ schnell klar, dass wir uns weiterentwickeln wollen und unseren Sound öffnen. Ein Album wie das 95‘er „Imaginations From The Other Side“ enthält zwar Speed Metal-Anteile, aber eben auch völlig andere Sachen. Spätestens da passten wir in keine Schublade mehr. Und so wird es auch weitergehen. Im Vorfeld eines Albums weiß man nie, wohin die Reise geht. Es gibt keine bewusste Entwicklung. Wir werden mit Sicherheit nie von unseren Wurzeln abweichen, gehen aber eben immer weiter.

Ist das auch ein Rezept gegen Langeweile, wenn man immer die alten Sachen spielen muss?

Das würde ich nicht sagen. Gelangweilt bin ich von unseren Nummern nie. Beim Live-Spielen hängt immer viel von der Tagesform ab. Mal hat man extrem Lust auf die schnellen Sachen, manchmal ist man eher in Stimmung für Midtempo-Songs. Schön war auf der letzten Tour vor allem, dass die Fans die neuen Stücke im Vergleich zu den Klassikern überhaupt nicht verhalten aufgenommen haben, sondern ebenso mitsangen. So etwas ist natürlich eine schöne Bestätigung. Wichtig ist einfach, dass die Dynamik während eines Konzerts stimmt.

Was bedeutet, dass man sich nicht auf ein reines Akustikkonzert von euch freuen darf.

Ich könnte mir das schon reizvoll vorstellen, aber zurzeit gibt es diesbezüglich tatsächlich keine konkreten Überlegungen.

Was war das Seltsamste, dass du jemals über dich gehört hast?

Och, da gibt’s einiges. Zum Beispiel, dass ich selbst oder Kinder von uns tot wären. Oder einmal, als ich in ein Krefelder Musikgeschäft gelaufen bin und sofort gefragt wurde, was ich denn jetzt machen würde. Darauf antwortete ich: »Am liebsten Saiten kaufen«. Woraufhin der Verkäufer ganz entrüstet sagte: »Ja, aber du bist doch bei Blind Guardian ausgestiegen«. Ein anderes Mal war mal etwas von meinem Skateboard-Unfall in der Presse zu lesen gewesen. Seitdem verbreiten einige Leute immer wieder, ich würde mich mit dem Skateboard vor einem Gig warmmachen. Den Zusammenhang zwischen Skaten und Gitarre spielen habe ich bis heute nicht verstanden. Oder die Geschichte, als ich mich mit Migräne einen ganzen Auftritt lang mit geschlossenen Augen in einem abgedunkelten Bereich der Bühne aufhielt und am nächsten Tag lesen musste, ich sei voll auf Droge gewesen. So was registriert man am besten mit einem Lächeln und einem Kopfschütteln.

Liest du denn generell Sachen über dich und die Band?

Manchmal schon. Man ist ja neugierig. Aber im Internet arten solche Dinge auch gerne schon mal aus. Denn schließlich ist heute jeder Kritiker und kann alles besser. Da ist es dann als Betroffener oft gut, nicht ganz so tief einzutauchen.

Wie geht’s jetzt weiter?

Wir spielen dieses Jahr nur zwölf Shows, hauptsächlich Festivals. Im Grunde sind wir am Ende eines Tour-Zyklus‘ angelangt und wollen uns nun wieder auf das Schreiben des nächsten Studio-Albums konzentrieren. 

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