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Segen oder Sargnagel?

Heute soll entschieden werden, ob die Fortuna Mädchenmannschaften einrichten muss

Düsseldorf. (IT). Es rumort in der Düsseldorfer Jugendfußballszene. Und zwar im Mädchenfußballbereich. Grund ist die politische Forderung der Ratsmehrheit, den bereits geplanten Zuschuss (1,9 Millionen Euro) für das neue Nachwuchsleistungszentrum von Fortuna Düsseldorf an die Bildung von Mädchenmannschaften zu koppeln. Am heutigen Donnerstag soll darüber final entschieden werden.

Das Vorgehen erscheint zunächst schlüssig. Die Beliebtheit des Mädchenfußballs hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Und auch der Leistungssektor wird immer professioneller gestaltet. Auf Verbandsebene hat man die Talentförderung extrem ausgebaut. Begabte Mädchen können ab der Altersklasse U11 an diesen Talentfördermaßnahmen partizipieren – ein Jahr früher als die Jungs. Spielerinnen aus Vereinen wie FSV Hilden, TuSA 06 Düsseldorf, Rhenania Hochdahl oder TSV Urdenbach ermöglichen ihren Talenten schon seit Jahren die Beteiligung an diesen Maßnahmen.

 

Gleichberechtigung im Profi-Geschäft?

 

Allerdings gibt es nach Meinung einiger Stadträte ein gravierendes Problem im Kreis Düsseldorf: Die überragenden Spielerinnen finden in der näheren Umgebung keinen Proficlub, der sie auch im Tagesgeschäft, auf Vereinsebene, kontinuierlich fördert und ihnen den Schritt auf die ganz große Fußballbühne ermöglicht. Ganz im Gegensatz zu Nachbarstädten wie Leverkusen, Mönchengladbach, Essen oder Duisburg ist Düsseldorf in dieser Hinsicht Diaspora. Das wollen die Politiker nicht hinnehmen. Sie fordern Gleichberechtigung im Profigeschäft. Das Mittel: Fortuna Düsseldorf wird vor die Wahl gestellt, sich entweder zur Bildung von Mädchenteams zu bekennen oder auf die städtische Fördersumme zu verzichten. Die braucht der Verein aber unbedingt, um das Leistungszentrum zu bauen, ohne das er seinerseits nicht gegen die mächtige Konkurrenz im männlichen Fußballsport ankommt und immer wieder Talente an Schalke, Leverkusen, Dortmund oder Mönchengladbach verliert.

 

Sargnagel für den Mädchenfußball?

 

Oberflächlich betrachtet leuchtet dies ein. Doch offenbar hat man die Rechnung ohne einige Düsseldorfer Vereine gemacht. »Ausgerechnet die Politiker, die immer Gleichberechtigung fordern, sorgen nun dafür, dass der Mädchenfußball in dieser Region bald zugrunde gehen wird«, glaubt Ute Groth, 1. Vorsitzende der DJK TuSA 06 Düsseldorf. Weil die talentierten Spielerinnen rasch nach Flingern abwandern würden und man - anders als bei den zahlenmäßig sehr viel stärker aufgestellten Jungenmannschaften - diese Verluste nicht kompensieren könne,  sei die eigentlich gut gemeinte Forderung aus dem Rathaus in diesem Falle kontraproduktiv. In einem »Offenen Brief« richtet sich Groth daher direkt an die verantwortlichen Politiker. Darin heißt es u.a.: »Unsere Idee, Mädchen- und Frauenfußball in unserem Verein anbieten zu können, hat gut 20 Jahre später dazu geführt, dass von 600 Fußballern 100 weiblichen Geschlechts sind. Und das erwiesenermaßen erfolgreich. Die 1. Frauenmannschaft spielt in der Landesliga als erfolgreichstes Team der Fußballabteilung an oberster Stelle mit (aktuell Vizemeister), der wichtige Unterbau mit 2. Frauenmannschaft (Meister der Kreisliga), U17, U13 und U11 ist angelegt.«

Dass nun die Einrichtung von Frauen- und Mädchenmannschaften bei der Fortuna zur Bedingung für die Finanzierung eines Nachwuchsleistungszentrums gemacht wird, gefährde jedoch das bislang Erreichte. Ute Groth: »Es zeigt auch, dass große Teile der Politik die Arbeit der Düsseldorfer Fußballvereine in den letzten Jahren nicht mitverfolgt und das Thema Frauenfußball generell nicht wirklich verinnerlicht haben. Denn sonst wäre ihnen sicherlich aufgefallen, dass in den ersten beiden Damen-Bundesligen neben klangvollen Namen wie FC Bayern München, Bayer 04 Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach vor allem Vereine wie SGS Essen, SC Sand oder TV Jahn Delmenhorst für Erfolgsgeschichten sorgen. Vereine, die eins gemeinsam haben: Ihre Herrenmannschaften spielen in der Kreisliga! Daraus haben sich die jeweiligen Stadträte aber nichts gemacht, sondern in die Förderung dieser Vereine investiert, die nachweislich gute Arbeit machen, ohne mit einem ‚großen‘ Namen zu bürgen. Den Männer-Profiverein Fortuna 95 zur Eröffnung des Frauen/Mädchen-Bereichs zu zwingen, um die Abwanderung von talentierten Fußballern zu anderen Profivereinen zu verhindern, reduziert den Mädchen-und Frauenfußball auf eine Verhandlungsmasse und ist respektlos gegenüber den Vereinen die sich dieser Aufgabe schon längst gestellt haben.«

 

Kooperation erwünscht

 

Groth schlägt stattdessen vor dass man auf Kooperationen und den behutsamen und sukzessiven Aufbau der Fortuna-Frauenfußballmannschaften setze: „Frauenfußball bei F95, ja gerne, ist sicher eine Bereicherung, aber nicht als Zwang, sondern aus Einsicht und im gleichen Wettbewerb, dem auch wir uns stellen müssen. Nachwuchsleistungszentrum bei F95, ja gerne, dann auch für Mädchen-und Frauenfußball zugänglich, gerne erst einmal in Kooperation mit bereits aktiven Vereinen und wenn sich F95 der Aufgabe tatsächlich aus Überzeugung stellen will, gerne auch in zehn Jahren mit eigenen Spielerinnen.«

Den gesamten Brief, der auch den Stadträten zugestellt wurde, findet man hier:

https://www.teamlr.de/TuSA06/news/5167041/Offener-Brief-an-die-politisch-Verantwortlichen-in-D-sseldor

 

 

 

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