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Lieber Gott, warum ist mein Schulweg so lang?

Seltsame Vorgänge rund um die Teilung der St. Apollinaris Grundschule sorgen für Verwirrung bei Eltern und Kindern

Düsseldorf. (IT). »Hinten Mauern und vorne hilft der liebe Gott«, ist eigentlich ein Spruch aus dem Repertoire einfallsloser Fußballtrainer. Im nun geschilderten Fall lässt sich die Plattitüde aber auch auf die Situation einer Grundschule ummünzen.

Die kleine Resi schüttelt missmutig ihr Lockenköpfchen, wenn man sie fragt, ob sie sich auf die Einschulung im nächsten Jahr freut. »Ich darf vielleicht gar nicht in die Schule, weil ich evadingsda - wie heißt das, Mama? - bin.« »Evangelisch, erklärt Julia Blinde und streicht dem fünfjährigen Blondschopf lächelnd über den Kopf. 

Doch zum Lachen ist der Familie nicht zumute. »Wir wohnen keine 100 Meter von der Grundschule entfernt, die auch schon Resis Bruder besucht. Und jetzt entscheidet vielleicht die Konfession darüber, wer dort einen Platz bekommt«, so Resis Vater Ulrich Kraus. 

Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts NRW im letzten Jahr muss eine katholische Bekenntnisschule zuallererst katholische Kinder aufnehmen. Wohnortnähe und Geschwisterkindbonus dürfen erst nachrangig berücksichtigt werden. »Für die nicht-katholischen Kinder aus Himmelgeist und Itter gibt es dann vielleicht keine Plätze mehr. Das ist einfach nicht in Ordnung«, so Ulrich Kraus. 

Die Situation

  

Der Ortsteil Himmelgeist vor exakt zehn Jahren: Knapp 1.300 Einwohner verlieren sich in dem von riesigen Feldern durchzogenen Dörfchen am Rhein, das nur Radfahrern ein Begriff ist. Eine kleine Grundschule nimmt sich der wenigen Kinder an, die hier aufwachsen. Als Dependance der großen St. Apollinaris-Grundschule in Holthausen ist sie Sinnbild einer Idylle, auf die man auch am Rande einer Großstadt nicht mehr häufig trifft.

Drei Jahre später erinnert an die malerische Beschaulichkeit nicht mehr viel. Ein Großteil der Felder ist Baggern zum Opfer gefallen. Große Reihenhaussiedlungen erstrecken sich von Himmelgeist bis Itter. Die Bevölkerung vervielfacht sich beinahe beim Zuschauen. Durch die steigenden Kinderzahlen muss auch die Grundschule anbauen. Aus einer einstmals von der Schließung bedrohten Mini-Einrichtung wird eine stattliche Bildungsinstitution, die  sich mittlerweile in Sachen Schülerzahlen  mit dem Mutterhaus mehr als messen kann. Daher sollen die beiden Standorte nach Beschluss der Schulkonferenz im Juni dieses Jahres  nun rechtskräftig geteilt und jeweils selbständig verwaltet werden. 

Die Probleme beginnen

Und damit beginnen die Probleme. Denn die Holthausener Grundschule ist eine katholische Grundschule. Im Juli sollten die betroffenen Eltern  daher abstimmen, ob die Schulen künftig konfessionell oder als Gemeinschaftsgrundschulen verwaltet werden sollten. Erforderlich für das so genannte Quorum, das für eine gültige Abstimmung erreicht werden muss, sind jeweils 224 Stimmen. Allerdings kam bei der ersten Abstimmung nur rund die Hälfte der Stimmen zusammen, sodass nun eigentlich beide Bildungseinrichtungen in Gemeinschaftsgrundschulen umgewandelt werden müssten. Das aber kommt nicht infrage. »Die Holthausener Grundschule bleibt katholisch und für die Himmelgeister Schule wird die Abstimmung wiederholt werden. »Wir sehen ein, dass es vor dem ersten Abstimmungsvorgang an der Kommunikation gekrankt hat«, sagt Dagmar Wandt, Leiterin des Schulverwaltungsamts. Seinerzeit waren die betroffenen Eltern aufgefordert worden, an einem von drei aufeinanderfolgenden Tagen unter der Woche bis spätestens 16 Uhr im Schulverwaltungsamt persönlich ihre Stimmen abzugeben. »Das konnten natürlich viele Familien zeitlich nicht leisten. Und darauf werden wir bei der nächsten Abstimmung berücksichtigen«, so Wandt. Allerdings steht weiterhin die Frage im Raum, warum man das Ergebnis nicht einfach anerkennt.

Julia Blinde ist stocksauer: »Ich verstehe einfach nicht, warum wir hier in Nordrhein Westfalen immer noch darunter leiden müssen, dass man die Bekenntnisschulen nicht wie in jedem anderen Bundesland in Gemeinschaftsgrundschulen umgewandelt hat. Die folgen schließlich auch einem christlichen Leitbild. Die ersten Nachbarn überlegen bereits, ob sie ihre Kinder katholisch taufen lassen, nur um einen sicheren Platz in der Schule zu bekommen. Das ist doch verrückt - wir leben doch im 21. Jahrhundert«.

Ulrich Kraus bringt es auf den Punkt: »Eigentlich möchte ich nur, dass alle Kinder ein Anrecht darauf haben, in die nächstgelegene Schule zu gehen  und von Lehrern unterrichtet werden, die nach ihrer Qualifikation und nicht nach ihrer Konfession ausgesucht werden.« 

Falsche Panikmache

Die viel zitierte Angst vor dem Verlust christlicher Traditionen kann selbst Christoph Heckeley, Pressesprecher des Erzbistums Köln nicht nachvollziehen. »Wir stoßen leider immer wieder auf Fehlinformationen wie die, dass an Gemeinschaftsgrundschulen keine Weihnachtslieder mehr gesungen würden oder das Martinsfest in Laternenfest umbenannt wird. Das ist natürlich so nicht richtig. 

Genauso wenig ist zutreffend, dass wir den Schulen finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Auch katholische Schulen sind staatliche Schulen. Das steht so in unserer Landesverfassung. Das Schulleben bestimmen die Landesbehörden zusammen mit den Eltern. Wir haben keinerlei Karten im Spiel. Wir unterstützen katholische Schulen, natürlich da wo sie bestehen, weil sie unserem Menschenbild am ehesten entsprechen«, stellt Heckeley fest, ohne aber genau zu definieren, wie sich das katholische Menschenbild von einem anderen unterscheidet. 

Für die kleine Resi ist das alles unverständliches Gerede. Sie macht im Kindergarten keinen Unterschied, wenn es darum geht, ob sie mit Murat, Kevin oder Maria spielen soll. Warum sie nun möglicherweise - ebenso wie andere Kinder - aus der Gemeinschaft ihrer Freunde ausgeschlossen werden soll, will ihr nicht in den Kopf. Und wahrscheinlich ist das auch gut so.    

Info

Nur in Nordrhein-Westfalen und Teilen Niedersachsens bestehen heutzutage noch Bekenntnisschulen. Diese zeichnen sich u.a. dadurch aus, dass an ihnen in erster Linie Schüler und Lehrkräfte der jeweiligen Konfession angenommen werden.

Wie alle anderen staatlichen Schulen werden sie zu 100 Prozent von der jeweiligen Kommune finanziert. 

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Kommentar von Franz Klein
Was für ein unchristliches Verhalten!
Ausgerechnet in einem Land wo Integration überlbenswichtig ist, haben es ein Paar Menschen nicht verstanden. Eine Kirche die sich nicht gegen so eine unchristliche, unethische und amoralische Segregation stellt verdient nicht so viel Respekt.