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Lebhafte Wahlkampf-Debatte in der Arena

Die WochenPost präsentierte die Podiumsdiskussion zwischen Direktkandidaten aus dem Düsseldorfer Süden

Düsseldorf. (IT). Nach dem gruselig-kuscheligen Kanzler-TV-Duell und dem ebenfalls nicht ganz unfallfreien Auftritt/Abtritt der Top-Kandidaten der »kleinen« Parteien sollte endlich Zeit für »echte« Menschen und »echte« Fragen sein. Ob die von der BIG, den Garather Jonges und der WochenPost in der Freizeitstätte Garath präsentierte Podiumsdiskussion am 5. September in der Garather Freizeitstätte wohl nachgekommen ist?

Kurz bevor der Start der Debatte näher rückt, füllt sich der Arenasaal der Freizeitstätte zusehends. Positiv fällt gleich auf, dass alle Altersklassen im Publikum vertreten sind. Sylvia Pantel (CDU), Andreas Rimkus (SPD), Uwe Warnecke (Die Grünen) und Udo Bonn (Die Linke), der für die verhinderte Sarah Wagenknecht in die Bresche gesprungen ist, begeben sich an die Stehtische. WochenPost-Content-Chef Martin Vogler und Peter Heinen von den Garather Jonges begrüßen die Politiker kurz und Vogler wirft als Aufwärmfrage gleich mal ein Schwergewicht ins Rund: »Würden Sie aktuell Urlaub in der Türkei machen? Und wie soll man mit Erdogan umgehen?« Die einhellige Antwort der Kandidaten ist absehbar: Kein Urlaub in der Türkei und harte Kante gegenüber Erdogan zeigen. Die Probleme, die eine Aussetzung der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei für die Einhaltung des Flüchtlingsabkommens bedeuten würden, werden hingegen nicht wirklich thematisiert. 

Sinkende Renten und Altersarmut

Das zweite Thema des Abends droht aufgrund der Komplexität und der vielen Zwischenfragen zum dominanten Blockbuster zu werden. Es geht um Renten und Altersarmut. Sylvia Pantel betont: »Wir haben mit der Erwerbsminderungsrente Signale gesetzt und werden demnächst bei der Eigentumsförderung ebenfalls Signale setzen«. Zudem wolle man sich mit allen handelnden Personen zusammensetzen, damit fitte Menschen die Rente  auffrischen können - sei es durch Jobs oder durch die Pflege von Angehörigen. Über die größeren Maßnahmen müsse man sich unterhalten.

Andreas Rimkus macht sich für die Solidarrente stark, damit vor allem Menschen, die lange Zeit aus familiären Gründen nur teilzeitbeschäftigt waren, nicht in die Altersarmut abgleiten. 

Udo Bonn: »Das Absenken der Renten von 53 auf 48 Prozent war mal politisch gewollt von den großen Volksparteien - und jetzt haben wir das Dilemma. Wir sind dafür, das Rentenniveau auf 53 Prozent hochzufahren. Zudem soll es eine Grundsicherung von 1.050 Euro geben, die dann angepasst wird.«

Uwe Warnecke ist dafür, dass die öffentliche Rente »auf breitere Füße gestellt« wird und auch Selbständige in die Kassen einzahlen, um nicht später festzustellen, dass sie sich ihren Lebensabend nicht mehr leisten können. Es sollte ein Niveau oberhalb der Grundsicherung erreicht werden.

Hier unterscheiden sich die politischen Konzepte erstmals deutlich. Was aber bei der folgenden Debatte ans Tageslicht kommt: Keiner der Kandidaten kann schlüssig erklären, warum wir in Deutschland trotz Rekordsteuereinnahmen und ähnlichen demographischen Entwicklungen wie in anderen europäischen Ländern teilweise drastische Unterschiede in der durchschnittlichen Rentenhöhe existieren. Warum Rentner aus Nachbarländern wie den Niederlanden oder Österreich am Ende des Monats mehrere hundert Euro mehr im Geldbeutel haben als  Menschen, die jahrzehntelang in hiesige Rentenkassen eingezahlt haben, bleibt ein Rätsel.

Nur Reiche in die Innenstädte?

Beim Thema »Bezahlbarer Wohnraum« sorgen weniger die Erklärungen der Politiker als ein Zwischenruf aus dem Publikum für Aufregung. Eine Zuhörerin ist der Meinung, wer mehr besitze, könne sich eben auch eine Wohnung in der Innenstadt leisten. Geringverdiener müssten halt mit  den Außenbezirken Vorlieb nehmen. 

Viele Wortmeldungen zum Thema Sicherheit waren vorherzusehen. Während Sylvia Pantel verkündet, man könne jetzt dank des Regierungswechsels in NRW endlich wieder mehr Polizisten einstellen, ruft ihr ein Zuhörer entgegen, dass es die schwarz-gelbe Regierung Rüttgers gewesen sei, die eine drastische Reduzierung der Polizeibeamten vorgenommen habe. Udo Bonn mahnt an, man müsse für jeden neuen Polizeibeamten fünf Sozialarbeiter einstellen und will damit auf nötige Präventionsmethoden aufmerksam machen. 

Als die Sprache auf den Attentäter Anis Amri und das Versagen der Behörden im Vorfeld seines Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt kommt, will Uwe Warnecke das Problem eher analytisch angehen und erforschen, warum junge Menschen dazu gebracht werden, solch scheußliche Taten zu begehen. 

Die hässliche Seite der Debatte

Und spätestens, als ein Zuhörer in den Saal brüllt: »Kein Wunder, die Merkel hat ja eine Million Muslime reingelassen«, ist der hässliche Teil der Debatte eröffnet. Während Andreas Rimkus »jeden Flüchtling zunächst mal als Schatz« begreift, der das Land zunächst einmal weiterbringt und Uwe Warnecke sich auch im Sinne der inneren Sicherheit deutlich für den Familiennachzug der hier lebenden Flüchtlinge ausspricht, stellt Sylvia Pantel klar, dass sie froh über die klare Definition sicherer Herkunftsländer und die damit verbundene schnelle Rückführung von Personen aus diesen Ländern sei. Als ein Zuschauer fragt, was denn an Afghanistan bitteschön sicher sei, antwortet sie: »Ach wissen Sie, Afghanistan ist ein großes Land. Dort gibt es gute und schlechte Gegenden. Deutschland war ja auch mal geteilt«. Dafür erntet sie entrüstete Zwischenrufe und ein Angebot seitens Udo Bonn, der sie einlädt, mit ihm nach Afghanistan zu fliegen, um ihm dort die guten Gegenden zu zeigen. 

Und so wird die Diskussion letztlich doch zu einer lebendigen Angelegenheit, die zeigt: Politiker sind auch nur Menschen. Ob sie die richtigen Rezepte für die Probleme unserer Zeit finden, bleibt abzuwarten. 

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