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»Gestatten, wir sind TuSAs Torfabrik«

»Bolzplatzheldinnen« - Teil 3: Warum das »Magische Dreieck« aus Flehe so erfolgreich ist

Düsseldorf.  (IT). Wenn man in Fußballerkreisen den Begriff »Magisches Dreieck« fallen lässt, dann meint man normalerweise den VfB Stuttgart und die Konstellation Bobic-Elber-Balakow. Mitte der Neunziger hielt das Trio Fußballdeutschland in Atem. In zwei Spielzeiten erzielten die drei Kicker gemeinsam 89 Treffer und gingen als erfolgreichstes Stürmertrio der Bundesliga in die Geschichte ein.

So lange wird es bei Enesa Biljali, Lara Italiani und Hannah Berle wohl nicht dauern. Die drei TuSA-Stürmerinnen versenkten das runde Kunstleder in der laufenden Saison in 14 Spielen bereits unglaubliche 82 Mal im gegnerischen Kasten. Und trugen damit entscheidend dazu bei, dass die U11 der TuSA ein gutes halbes Jahr nach Gründung der Mannschaft zu den Spitzenteams der Kreisklasse 1 gehört, obwohl die Spielerinnen im Schnitt ein Jahr jünger sind als der Großteil der Konkurrenz.

 

»Ich stehe eben nicht auf Ballett«

 

»Ich habe immer schon gekickt. Erst in der Wohnung, dann in der Schule. Es ist einfach in mir drin«, so Hannah Berle. Die Neunjährige wird bei der letzten Grundschul-Stadtmeisterschaft, dem Jan-Wellem-Cup, von TuSA entdeckt und umgehend gescoutet. »Ich stehe eben nicht auf Ballett«, sagt Hannah achselzuckend mit einem diebischen Schmunzeln, das auch ihr Spiel ganz gut wiedergibt. Oft lauert sie, quasi teilnahmslos, auf der rechten Außenbahn, nur um von einer Sekunde zur andere zu explodieren und zum Schrecken der Gegnerinnen mit ungeheurer Zielstrebigkeit den Weg zum Tor zu suchen – und meistens zu finden.

Ihr Gegenstück auf der linken Seite heißt Lara Italiani. Sie entdeckt Lücken, wo scheinbar keine sind, tanzt ihre Gegnerinnen gerne an der Linie aus, spielt zirkelgenaue Pässe und ballert die Kugel am liebsten mit dem linken Fuß ins Netz. »Ich bin über meinen großen Bruder zum Fußball gekommen, der auch bei TuSA gespielt hat. Irgendwie war ich schon als Baby ständig hier auf dem Platz. Und mir gefällt‘s noch immer - so einfach ist das«, sagt sie lachend.

 

»Die Jungs haben mich kein einziges Mal angespielt.«

 

Doch so einfach ist es anfangs keineswegs. Mit vier Jahren spielt Lara in einer Jungenmannschaft, wo sie in erster Linie ignoriert wird. »Die Jungs haben mich kein einziges Mal angespielt. Wenn ich den Ball dann doch mal hatte, wurde ich sofort total hart angegriffen. Denn wenn ich mal einen Zweikampf gewann, lachten die anderen Jungs den Spieler, den ich ausgedribbelt hatte, sofort aus«, stellt sie ein wenig traurig fest. Mit sieben Jahren wechselt Lara in die neu gegründete U13-Mädchenmannschaft von TuSA. Dort ist sie zunächst eher Maskottchen, spielt teils mit fünf Jahre älteren Mädchen zusammen. Als dann 2016 die U11 in Flehe gegründet wird, ist das wie eine Befreiung. Lara: »Da waren endlich Mädels, die genauso alt waren wie ich und die das gleiche Hobby hatten.«

Mädels wie Enesa Biljali. Die Zehnjährige wird im vergangenen Jahr zufällig auf dem Pausenhof einer Grundschule entdeckt. Mit ihren Dribblings sorgt sie nicht nur bei ihren Klassenkameraden für offene Münder. »Ich habe zuerst Tennis gespielt. Aber das hat mir gar nicht gefallen. Irgendwie wollte ich immer nur kicken. Aber die Jungs in der Schule haben mich nur unter der Bedingung mitmachen lassen, dass ich mich ins Tor stelle. Das habe ich dann zuerst gemacht, aber irgendwann war mir das zu blöd.« Vor allem, weil Enesa den Großteil der männlichen Fußballer ihres Alters locker stehen lässt.

 

»Fußball ist mein Leben«

 

Ganz wie ihr großes Vorbild Cristiano Ronaldo spielt sie jeden Gegner mit ihren blitzschnellen Übersteigern und plötzlichen Drehungen schwindelig. Dabei scheut sie keinen Zweikampf und besitzt ein Durchsetzungsvermögen, um das sie so mancher Erwachsene beneiden würde. »Fußball ist mein Leben. Ich würde am liebsten 24 Stunden am Tag gegen den Ball treten«, stellt sie nüchtern fest. Ihre beiden Mannschaftskameradinnen nicken heftig. Alle drei wollen später Profis werden. Den ersten Schritt dorthin haben sie bereits getan, denn Hannah, Lara und Enesa kicken nicht nur für TuSA, sondern auch für die Kreisauswahl. Dort fördert der DFB besondere Talente bereits in jungen Jahren.

Doch die drei wissen auch: Ohne ihre Top-Teamkolleginnen wären ihre 82 Tore nicht möglich gewesen. »Unsere Trainer sagen immer: Die Spiele werden hinten gewonnen«, sagt Lara. Und Hannah ergänzt zustimmend: »Ja, wenn man sieht, was Alina, Nathalia und Noelia hinten alles heraushauen, dann denkt man schon: Gut, dass wir die dort haben.« »Ich glaube, ich habe noch nie ein schnelleres Mädchen gesehen als Alina«, schwärmt Enesa. »Dafür ist Nathalia die härteste Verteidigerin, die es gibt. Und Noelia die torgefährlichste«, ist sich Lara sicher.

 

Keeperin mit verrückten Moves

 

»Nicht zu vergessen unsere Keeperin Mette mit ihren verrückten Moves«, gibt Hannah zu bedenken. Und tatsächlich: Sieht man die zierliche Blondine zum ersten Mal, würde man nie erahnen, welche Power in der Zehnjährigen steckt. »Ich habe früher Taekwondo gemacht. Das war wohl ganz gut für die Reflexe«, glaubt sie. Auch Mette hat in der Schule zunächst mit den Jungs gekickt. »Für die war ich aber Luft. Das hat überhaupt keinen Spaß gemacht«, sagt sie.

Wie sich die Geschichten ähneln. Es scheint so, als hätten sich bei TuSA 06 in Flehe lauter Mädels zusammengeschlossen, die es gar nicht erwarten konnten, es ihren männlichen Kollegen auf dem Fußballplatz mal so richtig zu zeigen. In der Saison 2016/17 gehört die U11 mit zwölf Siegen aus 14 Spielen zu den erfolgreichsten Mannschaften des Vereins, der in jüngerer Zeit erkannt hat, welches Potenzial in der Sportart steckt. Zwei Beauftragte für Frauen- und Mädchenfußball kümmern sich bei TuSA um die Belange der Spielerinnen. Die 1. Damenmannschaft spielt aktuell um den Aufstieg in die Niederrheinliga mit, der vierthöchsten Spielklasse im deutschen Frauenfußball. Damit ist sie neben dem CfR Links die erfolgreichste Mannschaft der Landeshauptstadt. Die 2. Damenmannschaft aus Flehe steht an der Spitze der Kreisliga. Drei Jugendteams sorgen für einen gesunden Unterbau, der immer mal wieder Tuchfühlung mit den Aushängeschildern des Vereins aufnimmt. Enesa: »Manchmal sehe ich der Stürmerin (Britta Gahr, Anm. d. Red.) beim Schusstraining zu und stelle mir dann vor, dass ich die Bälle mal irgendwann auch so ins Tor hauen kann.«

Lara ist sogar beinharter Fan der Rot-Weißen: »Immer wenn ich kann, schaue ich mir die Spiele der Damen an. Unsere Co-Trainerin Sarah spielt dort auf der Außenbahn und ist schnell wie der Blitz.«

Und Hannah ergänzt: »Wir haben mal als Ballmädchen bei einem Spiel geholfen und waren ganz nah dran – voll cool. Aber irgendwann will ich auch selber mal in so einem Spiel auf dem Platz stehen.«

 

Am 1. Juli nehmen die TuSA-Mädels an unserer WoPo Mini-EM beim 1. FC Monheim teil. Man darf jetzt schon gespannt sein, wie die Düsseldorferinnen wohl abschneiden werden.  

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